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Wegwerfhelden Teil 1
"

Potter ... der letzte Mensch auf der Welt, den er sehen wollte.

Aber da stand er, der Junge-der-Lebte, nein, der Junge-der-Voldemort-Besiegte, in all seiner halbwüchsigen Herrlichkeit: Die Haare zu Berge stehend, die Hände in die Hüften gestemmt, einen hochmütigen Ausdruck im Gesicht. Nichts hatte sich geändert in den Monaten seit Snape ihn zuletzt gesehen hatte, und als er schließlich seinen frechen Mund aufmachte, war dieser Eindruck in Sekundenbruchteilen bestätigt.

"Snape", war das erste Wort. Als ein eisiger Blick und ein häßlicher Flunsch alles war, was er zur Antwort bekam, fuhr er fort: "Ich mußte es mit eigenen Augen sehen. Mich versichern, daß dein verfluchter Arsch hinter Gittern sitzt." Seine Lippen verzogen sich zu etwas, das wie ein Lächeln aussah. "Obwohl die Zellen im Ministerium mit Abstand besser sind als das, was dich erwartet."

"Raus, Potter! Wie üblich mußt du mal wieder ein Spektakel aufführen", teilte ihm Snape im Wegdrehen mit. Er lauschte dem Rückzug in den verhallenden Schritten.

*

Potter ... der letzte Mensch auf der Welt, den er sehen wollte. Es war jedoch unvermeidlich, daß der Junge seinem Prozeß beiwohnte.

Da saß er, im Bereich für VIP-Zeugen, getrennt von den übrigen Ordensmitgliedern, und sah dem Verfahren mit steinernem Gesicht zu. Fast wünschte sich Snape, daß er hätte dabei sein können, als der Junge die Neuigkeit erfahren hatte, die für ihn wahrhaft herzzerreißend gewesen sein mußte. Er war sich sicher, daß der Junge bereits informiert war, blieb er doch ausdruckslos während des Vortrags, der Snapes geheime Rolle im Dienste des Ordens darstellte, eine Rolle, die er bis ganz zuletzt erfüllt hatte. Nur wenige waren eingeweiht gewesen, und Potter war keiner von ihnen. Aber jetzt würde die ganze Welt die Geschichte erfahren, vom Anfang bis zum Ende.

Er beobachtete die schockierten Gesichter, als, holografischen Projektionen gleichend, eines nach dem anderen, die Bilder aus Dumbledores Denkarium vor dem versammelten Zauberergamot abgespielt wurden. Die Reaktionen der Zuschauer kümmerten ihn nicht, bis auf diejenigen des Jungen, der ihm, nur zwanzig Schritte entfernt, fast genau gegenüber saß. Er genoß es, sich vorzustellen, was in ihm vorging; er fragte sich, wie schmerzhaft es wohl gewesen sein mußte, von der sicherlich wohlgenährten und als gerecht empfundenen Empörung zu lassen. Aber jetzt, armer Potter ... alles eine Staubwolke ... ein Kartenhaus.

Unschuld öffentlich bekanntgegeben oder nicht, Snape mußte das Hohnlächeln des Jungen ertragen, als er, trotz allem, wegen der Abscheulichkeiten, die er als Todesser begangen hatte, rückwirkend zu zehn Jahren in Askaban verurteilt wurde. Als sie ihn aus seinem Stuhl zogen und aus dem Raum führten, war Potters Gesicht das letzte, das er sah.

*

Potter ... der letzte Mensch auf der Welt, den er zu sehen erwartete ... zumindest in dieser Umgebung.

Snape wußte nicht genau, wieviel Zeit seit seinem Prozeß vergangen war, ging jedoch davon aus, daß es sich zumindest um einige Monate handelte. Aber da stand er, Potter, die Hände in den Hosentaschen, und studierte Snape durch die Gitterstäbe seiner Zellentür, das Gesicht halb im Schatten verborgen.

"Snape, ich mußte es mit eigenen Augen sehen", sagte er mit sanfter Stimme und spöttischem Ton. "Es gibt einen Gott, verstehst du. Du hast wohl gedacht, daß du komplett davonkommen würdest?"

Snape erhob sich langsam von seiner Pritsche und ging in Richtung der Gitterstäbe. "Potter, was machst du hier? Ich darf keine Besucher empfangen, oder hat man vergessen, dir das zu mitzuteilen?" Snape haßte es, daß die Heiserkeit seiner Stimme verriet, wie wenig er sie dieser Tage benutzte.

Die Antwort war ein verächtliches: "Hmpff" von Seiten der Gestalt, die jetzt näher kam, so daß Snape ihr Gesicht im trüben Licht des Ganges sehen konnte.

Einen Moment lang standen sie so nebeneinander, bis Snape schließlich sagte: "Nun, findet meine elende Unterkunft deine Zustimmung, Potter, oder würdest du das Ministerium gerne ersuchen, mir etwas zuzufügen, das eher deinen Vorstellungen entspricht? Ich bin sicher, daß dem stattgegeben wird, in Anbetracht deiner Position als Höchstgeschätzter Zauberer des Zeitalters. Oh, ich bitte vielmals um Entschuldigung, dieser Titel gebührt rechtmäßig Albus Dumbledore. Ich bin mir jedoch sicher, daß es ihm nichts ausmachen würde, wenn du in seine Fußstapfen trittst", schloß er, erleichtert, daß es ihm gelungen war, seiner Stimme einen fast normalen Ton zu geben. Von Potters Antwort war er überrascht.

"Niemand wird jemals seinen Platz einnehmen, und ganz bestimmt nicht ich. Nicht daß du verstehen könntest, wie sehr ich das verabscheuen würde, Snape." Der Junge schaute nach unten auf seine Füße. Nun, da Snape die Gelegenheit hatte, ihn offen zu mustern, kam er zu der Einschätzung, daß er nicht mehr wirklich ein Junge war ... zumindest nicht körperlich. Sicherlich war da noch jede Menge Unreife vorhanden, ganz egal, wie sehr sich die Verpackung verändert hatte. Das zeigte sich schon an der Tatsache, daß der Mann solche Anstrengungen unternommen hatte, hierherzukommen und ihn zu verhöhnen.

"Warum bist du hier, Potter? Das ist ein weiter Weg für ein bißchen Schadenfreude. Selbst du bist nicht so rachsüchtig, und damit stellt sich die Frage, was du willst." Snape hätte nicht gleichgültiger sein können, auch wenn es das erste mal seit Monaten war, daß er, abgesehen von seinem Wärter, Kontakt zu einem anderen Menschen hatte.

Potter nahm seine Umgebung in Augenschein und wandte dann seine Aufmerksamkeit wieder dem Gefangenen zu. "Nicht so übel, wie ich es erwartet habe. Du hast Glück, daß sie die Dementoren abgeschafft haben", lautete sein Kommentar, als er sich lässig gegen den Türpfosten lehnte.

"Ich habe Glück, ja, Potter. Ist das jetzt alles? Mein Buch wartet auf mich, und ich würde nun für mein Leben gerne lesen", log er, verwirrt von dem plötzlichen, irrationalen Bedürfnis, den Mann in ein Gespräch zu verwickeln, damit er noch etwas länger bliebe.

"Du hast also ein Buch? Ich wußte nicht, daß das erlaubt ist." Er versuchte, in die Zelle zu schauen, aber Snape ging einen Schritt zur Seite, um ihm den Blick zu verstellen.

"Geh jetzt, Potter. Es sei denn, du bist gekommen, um mir die fröhliche Kunde von einer Begnadigung des Ministeriums zu überbringen? Nein? Dachte ich es mir doch. Guten Tag." Er drehte sich auf den Fersen und marschierte würdevoll zu seiner Pritsche, aber es war schwierig ... marschieren ist immer schwierig, wenn einem nur vier Meter dafür zur Verfügung stehen.

Er lag auf seiner Decke und lauschte den Tritten, als der Mann ging, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.

*

Potter ... der letzte Mensch auf der Welt ... aber daß er nicht erwartet wurde, traf nicht mehr länger zu; denn obwohl er immer noch ein kleines bißchen überrascht war, wußte Snape Bescheid, sobald er die Schritte den Gang entlang in seine Richtung kommen hörte ...

Er saß auf der Kante seiner Pritsche und wartete, bis der Mann an die vergitterte Tür trat. Sie betrachteten einander einen Moment lang, und Snape entschied sich, daß er verdammt sein sollte, sollte er als erster den Mund aufmachen. Also wartete er.

"Snape, ich sehe, du bist immer noch am Leben", sagte Potter schließlich.

"Enttäuscht?", fragte ihn Snape.

Der Mann zuckte mit den Schultern. "Ich habe keinen besonderen Grund, dich tot sehen zu wollen. Vielleicht gab es mal eine Zeit, in der ich so empfunden habe, aber jetzt ..." Er schüttelte den Kopf und lächelte reumütig. "Es ist schon genug, zu sehen, wie es dir dreckig geht."

"Es geht mir nicht dreckig", gab Snape zurück.

"Oh, tatsächlich? Ich habe das mal überprüft, Snape. Keine Besucher, keine Briefe, und, ach ja, weder Bücher noch Zeitungen erlaubt. Wie kann es dir da nicht dreckig gehen? Oder sind die kleinen Stimmen in deinem Kopf ausreichende Gesellschaft für dich?", verspottete ihn der Mann.

Severus biß sich auf die Lippen, um nicht auf der Stelle zu reagieren. Stattdessen schaute er sich seinen Peiniger näher an. Definitiv mittlerweile ein Mann, breitschultrig und schlaksig, aber er hatte in den Wochen, seit er ihn zuletzt gesehen hatte, an Gewicht verloren, und seine Erscheinung war ungewöhnlich ungepflegt. Er entschied sich, brutal zu sein und die Sache auf den Punkt zu bringen.

"Was willst du, Potter? Ich kann nicht glauben, daß du mit deiner Zeit nichts besseres anzufangen weißt, und, nebenbei bemerkt, siehst du beschissen aus." Er hielt den Blickkontakt aufrecht, als er das sagte, und sah voller Genugtuung, daß sein Kommentar einen Nerv getroffen hatte.

Potter fuhr verlegen mit einer Hand durch sein Haar, fing sich aber wieder und warf ihm einen argwöhnischen Blick zu. "Wie nett von dir, das zur Kenntnis zu nehmen, Snape, insbesondere, da ich weiß, daß es dir total am Arsch vorbeigeht."

"Was ist los, Potter? Gefällt dir das Leben als Berühmtheit nicht? Ich hätte gedacht, es würde zu dir passen wie die Faust aufs Auge", sagte er abfällig. Er stand auf, ging zur Tür und stellte sich direkt hinter das Gitter.

"Ich wollte niemals irgend etwas dergleichen sein, nicht daß du das verstehen würdest, Snape. Wenn du es unbedingt wissen willst, ich bin es leid", fügte er zögerlich hinzu.

Snape ignorierte ihn und fragte erneut: "Meine Frage bleibt bestehen. Warum bist du hier, schon wieder, Potter? Die Leute werden anfangen zu reden ... Harry Potter besucht regelmäßig den abscheulichen Todesser." Er hielt inne, lauernd, und fragte gereizt: "Nun?"

Potter trat von einem Fuß auf den anderen, voller Unbehagen, und sah ihm dann direkt in die Augen. "Du bist nicht der, der ich dachte, Snape. Du bist immer noch ein Mistkerl, aber ..." Er schaute weg und sagte, beinahe zu sich selbst: "Du bist nur nicht der, der ich dachte."

Snape starrte ihn einen Moment lang an, bevor er sich wegdrehte und, vor sich hin murmelnd, zurück zu seiner Pritsche ging: "Erspare mir die Vorstellung, Potter, und laß mich allein."

Er legte sich mit dem Rücken zur Tür und seufzte, als er die Schritte schließlich den Gang entlang stapfen hörte.

*

Potter ... der letzte Mensch auf der Welt, von dem er jemals geglaubt hätte, daß er sich über ihn den Kopf zerbrechen würde. Leider war auch das unausweichlich, hatte er doch in den letzten sechs Monaten mehr Zeit mit ihm verbracht als mit sonst irgendjemandem.

Natürlich war das einzig und allein der Tatsache zu verdanken, daß es Potter gelungen war, sich Besuchsrecht zu verschaffen, unzweifelhaft aufgrund des Umstandes, daß das Ministerium auf immer in seiner Schuld stand.

Seltsamerweise mußte Snape feststellen, daß sie in dieser Zeit mehr Worte gewechselt hatten als in den ganzen sechs Jahren in Hogwarts. Ihre Gespräche drehten sich um nichts wesentliches. Der Mann war immer noch seiner verteufelten Sache verhaftet, der Sache, die ihm seine Gryffindor-Ehre abforderte. Snapes Blick verfinsterte sich, wenn er daran dachte - als ob es Potter jemals gelingen könnte, seine Tiefen auszuloten oder zu verstehen, wie kompliziert sein Leben und seine Beweggründe gewesen waren. Gut und Böse ... schwarz und weiß ... Held und Schurke ... er hatte schon vor langer Zeit gelernt, daß die Wirklichkeit eine Verschmelzung von Gegensätzen bedeutete, die sich irgendwo in der Mitte trafen. Nicht daß er das dem Mann verständlich machen könnte ...

Snape rührte sich nicht, als er ihn kommen hörte, aber er schaute auf, als die Schritte an seiner Tür innehielten. "Du wirst berechenbar, Potter", sagte er mit müder Stimme.

Ein kurzes, freudloses Lachen. "Also etwas, worauf du dich freuen kannst."

"Das glaube ich kaum. Ich bin nicht vollkommen gaga", antwortete er.

"Noch nicht."

"In der Tat." Die Stille dehnte sich aus und war seltsamerweise nicht unangenehm.

"Gott, worüber denkst du den ganzen Tag nach? Ein Verstand wie deiner ..."

"Ja, eine schreckliche Verschwendung. Ich bin mir sicher, sie ist beabsichtigt", überlegte er.

"Also?"

"Potter, du bist weder mein Priester noch mein Vertrauter. Ich schlage vor, dich mit deinem Wunsch nach geflüsterten Geständnissen an deine momentane Geliebte zu wenden." Er konnte nicht widerstehen aufzuschauen, um zu sehen, welche Reaktion er hervorgerufen hatte.

"Ha. Netter Versuch, Snape. Aber nein, keine Geliebten, fürchte ich, und ganz sicher geht dich das nichts an." Snape hätte schwören können, daß seine Stimme amüsiert klang, als Potter das Gespräch in eine andere Richtung lenkte. "Ist das deine Art und Weise, mir mitzuteilen, daß du deine Zeit mit Sexfantasien verbringst?"

Snape wurde steif. "Potter, an meiner Stelle wärst du jetzt bereits ein stammelnder Narr. Wenn du darauf bestehst, mir deine Gegenwart aufzudrängen, um Gottweißwas zu erreichen, dann wäre ich dir dankbar, wenn du deine Hirnverbranntheiten auf ein Minimum beschränken könntest. Sonst kann es passieren, daß du mich zum Äußersten treibst", warnte er, und seine Stimme klang ziemlich bedrohlich.

Der Mann starrte ihn an und hatte Anstand genug, rot zu werden. "Okay, ich entschuldige mich." Er wartete, und als Snape nichts sagte, hakte er nach: "Aber ich bin wirklich neugierig. An was denkst du so?"

Snape schwang seine Beine auf die Pritsche und legte sich hin. "Das Leben, um es in zwei Worten zu sagen, Potter. Etwas, was du direkt vor deiner Nase hast. Also, warum gehst du nicht raus und fährst damit fort?" Er wartete und bemerkte müßig, daß, jedesmal wenn er eines ihrer Gespräche ungnädig beendete, Potter länger brauchte, um tatsächlich aufzubrechen.

Als er die Tür am Ende des Ganges hinter Potter zuschlagen hörte, drehte er seinen Kopf, um die Stelle anzusehen, an der der Mann gestanden hatte. Dort auf dem Fußboden, gerade mal innerhalb der Gitterstäbe, hatte Potter etwas liegenlassen. Er rollte auf die Seite und stieß sich hoch. Nach kurzem Zögern stand er auf und ging, beugte sich dann hinab, um es langsam aufzuheben. Sein Herz pochte laut, als er es entfaltete und die Titelseite des Tagespropheten vor sich sah. Er betastete die Seite, untersuchte sie, noch nicht wirklich lesend, und zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit unterdrückte Snape ein Lächeln.

*

Potter ... der letzte Mensch auf der Welt, von dem er jemals geglaubt hätte, daß er sich freuen würde, ihn zu sehen. Aber dann, es war nicht wirklich Potter ... zu diesem Zeitpunkt würde er höchstwahrscheinlich einen Besuch des dunklen Lords selbst begrüßt haben, obwohl das die Sache vielleicht ein wenig übertrieb.

Inzwischen konnte er die Tage nicht mehr von den Nächten unterscheiden, etwas was er verzweifelt zu vermeiden gesucht hatte. Aber mit nur wenig Anregung und einer Beleuchtung von einförmig tristem Grau, ohne jede Abweichung, fand er sich abwechselnd schlafend und wachend, immer nur für wenige Stunden auf einmal. Und obwohl er es so lange wie möglich aufgeschoben hatte, kapitulierte er schließlich und begann, laut mit sich selbst zu reden, wenn er in seinem vier-mal-vier Bereich auf und ab ging. Er ging sogar dazu über, seine Worte zu reimen, seine Sätze zu singen, seine Tränke vorzutragen - alles, um den Klang einer menschlichen Stimme zu hören und seinen Verstand dazu zu bringen, die strengen Regeln der Sprache anzuwenden. Er wußte, daß es eine entscheidende Aufgabenstellung war im Kampf um die Bewahrung seiner geistigen Gesundheit.

Das war auch der Grund, weswegen er Potters Ankunft nicht gehört hatte, und er fühlte Abscheu gegen sich selbst, als er aufsah und ihn bemerkte und als ihm klar wurde, daß der Mann vielleicht schon eine halbe Ewigkeit dort stand. Er sank auf seine Pritsche, blickte ihm ins Gesicht und machte sich auf eine Stichelei gefaßt.

Für seine Besuche stand inzwischen ein Stuhl bereit, also setzte Potter sich und musterte Snape mehrere Augenblicke lang, bevor er fragte: "Was vermißt du am meisten?"

Um nicht allzu bemitleidenswert zu erscheinen, hielt Snape die Antworten zurück, die ihm zuvorderst auf der Zunge lagen ... sie waren immer da, knapp unter der Oberfläche seines Bewußtseins, so oft war er von ihnen verschlungen worden. Er fand die Frage auch aufwühlend. Entschlösse er sich, sie zu beantworten, würde das Empfinden seiner eigenen Verletzlichkeit, bereits wild wuchernd, nur noch verstärkt.

Er entschied sich, eine der offensichtlicheren Antworten preiszugeben: "Sich von Punkt A nach Punkt B zu bewegen." Auf Potters verwirrten Blick hin erläuterte er: "Von einem Ort aufzubrechen und an einem anderen anzukommen." Er wartete, bis er sah, daß er verstanden worden war, und gab ihm dann die übrigen Antworten: "Heiße Duschen. Lesen. Tee."

Potter schaute ihn prüfend an und dachte einen Moment lang nach. "Was? Keine Menschen?"

Snape blickte finster drein. "Was denkst du denn, Potter? Hast du mich jemals als einen gekannt, der eine gesellschaftliche Ader hat?"

Potter zuckte die Achseln. "Ich weiß eigentlich überhaupt nichts über dein Privatleben. Ich habe mich nur gewundert, da ich der einzige bin, der jemals versucht hat, dich zu besuchen." In seinen Worten lag keine Bosheit, nur eine Spur von Neugier.

Snape würde sich später fragen, was dazu geführt hatte, daß er dem Mann die Wahrheit sagte. "Albus", gab er leise zu.

Potter nickte, als ob ihn die Antwort nicht im Geringsten überrascht hätte. "Ich vermisse ihn auch. Und noch ein paar andere Freunde."

"Ah", war alles was Snape dazu sagte. Daß er sich so bereitwillig offenbart hatte, war schon schlimm genug. Herausfinden zu müssen, daß sie etwas gemeinsam hatten, war noch viel schlimmer. Als er die Studenten, die gegen Ende des Krieges gefallen waren, vor seinem inneren Auge Revue passieren ließ, war er sich nicht ganz sicher, wer von ihnen mit Potter befreundet gewesen war.

"Wer?", fragte Snape.

"Warum interessiert es dich?"

"Wer sagt, daß es mich interessiert? Ich mache nur Konversation, Potter. Und wenn du dich entsinnst, du hast damit angefangen. Also, wen vermißt du? Du bist natürlich nicht verpflichtet zu antworten, genau wie ich", erinnerte er ihn.

"Neville, George. Nicht daß wir uns sehr nahe standen, aber sie waren meine Freunde", endete er, und Snape schaute überrascht auf angesichts des defensiven Tons in seiner Stimme.

"Eine der höchsten Ehren für gefallene Helden ist, daß sie vermißt werden", sagte Snape neutral.

Als darauf keine Antwort kam, waren beide still, bis das Schaben des Stuhls Snape darauf aufmerksam machte, daß sein Besucher dabei war aufzubrechen.

"Hier."

Snape schaute auf und sah, wie Potter den Tagespropheten durch die Gitterstäbe der Tür reichte. "Ich habe inzwischen die Erlaubnis bekommen, ihn dir mitzubringen, also brauchst du ihn nicht mehr zu verstecken, wo auch immer das sein mag."

Snape stand auf und ging zum Gitter, streckte ungeschickt seine Hand aus und nahm die Zeitung. Als ihre Hände sich fast berührten, blickte Potter ihn an, nickte und machte sich auf den Weg den Gang hinunter.

Snape wartete, bis er die Tür ins Schloß fallen hörte, und murmelte: "Danke, Potter."

*

Potter ... der letzte Mensch auf der Welt, von dem er jemals geglaubt hätte, daß er sich dabei ertappen würde, wie er um angemessene Dankesworte für ihn rang.

Schließlich entschloß er sich, es einfach geradeheraus zu sagen. Er stand am Gitter, lässig gegen den Türrahmen gelehnt, und blickte auf den Mann auf seinem Stuhl hinab.

"Ich nehme an, daß ich dir für den Tee zu danken habe." Es war keine Frage; Snape wußte, daß es keine andere Erklärung geben konnte.

Potter lehnte sich mit einem amüsierten Gesichtsausdruck in seinem Sitz zurück. "Ist das deine Art und Weise, Danke zu sagen?"

Snape fand, daß er wirklich zu dankbar war, um sich provozieren zu lassen, mochte es auch noch so verlockend sein. "In Ordnung. Danke." Er schluckte noch ein wenig mehr von seinem Stolz hinunter und sagte: "Es hilft enorm, den Tag erträglicher zu machen, und du warst in keiner Weise gezwungen, an so etwas auch nur zu denken, geschweige denn, es zu veranlassen." Es war, als ob mit diesem kleinen Zugeständnis seinerseits eine gewaltige Barriere zwischen ihnen gefallen wäre. Er konnte sich jedoch nicht vorstellen, wieso. Es war letzten Endes bloß Tee.

Als ob Potter seine Gedanken gelesen hätte, grinste er Snape doch tatsächlich an und sagte: "Die Macht des Tees als treibende Kraft ist nicht zu unterschätzen, nicht wahr? Immerhin, Tee war der Grund für den Verlust der amerikanischen Kolonien."

Snape bedachte ihn mit einem sehr schwachen Lächeln. "Zehn Punkte für Gryffindor, Potter."

Alle vier Stuhlbeine knallten auf einmal auf den Fußboden. "Nun gibt er mir Punkte", jammerte Potter. "Das hast du niemals getan, weißt du. Mir Punkte gegeben."

"Oh, ich weiß. Du hast niemals welche verdient", feuerte er zurück.

Potters Augen senkten sich für einen Moment, dann stand er auf und positionierte sich auf der anderen Seite der Tür, Snape genau gegenüber. "Ich bin nicht blöd, Snape. Ich verstehe, daß du den Anschein erwecken mußtest, mir mein Leben zur Hölle zu machen. Was ich jetzt aber nicht verstehe, ist, warum du es mit ganzem Herzen und ganzer Seele tun mußtest. Ich spreche von den Gelegenheiten, wo niemand außer uns beiden Bescheid gewußt hätte. Hätte dir keinen Zacken aus der Krone gebrochen, dich ein wenig zurückzuhalten, wenn sonst niemand dabei war."

"Also ... du glaubst, daß ich dich schlecht behandelt habe, um den dunklen Lord in die Irre zu führen?"

"Sicher. Das macht doch Sinn, nicht wahr? Wenn er jemals in deinen Erinnerungen nachgeschaut hätte, hätte er so niemals etwas geargwöhnt. Scheint mir nur logisch."

Snape bedachte ihn mit einem spöttischen Lächeln. "Und was ist mit deinen eigenen Gedanken, Potter? Deine erbärmlichen Okklumentik-Kenntnisse vorausgesetzt, was hätte der dunkle Lord wohl gesehen, hätte ich - wie hast du es genannt - mich ein wenig zurückgehalten?" Er nickte, als er Potters Gesichtsausdruck sah. "Ganz genau. Daß ich dich schlecht behandelt habe, war nicht nur aufgrund meiner Besorgnis darüber, was er in meinen Gedanken sehen würde. Ich hatte größere Bedenken, was er in deinen sehen würde. Es war eine Frage des Selbstschutzes, soweit es mich betrifft. Vom Schulleiter genehmigt, nebenbei bemerkt." Er schaute zu, wie Potters Gesichtsausdruck von Unglauben zu Einsicht überging.

"Das war es? Du hast mir mein Leben zur Hölle gemacht, um dein eigenes zu schützen?" Potter schüttelte seinen Kopf. "Ich glaube keine Minute lang, daß das alles war. Du vergißt, Snape, daß ich weiß, wie sehr du meinen Vater gehaßt hast."

Snape zuckte die Achseln. "Das hat es nur einfacher gemacht. Du bist der Sohn deines Vaters, Potter."

"Ach wirklich. Und woher willst du das wissen, Snape? Du weißt nichts über mich."

"Der Apfel fällt niemals weit vom Stamm", murmelte Snape.

Potter funkelte Snape wütend an. "Sag mir mal eines. Siehst du wie dein Vater aus?" Auf Snapes Gesichtsausdruck hin, fuhr er fort: "Das muß also bedeuten, daß du ihm auch anderweitig gleichst. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm", äffte er nach.

Snape hatte sich heftig atmend vom Türpfosten abgestoßen. "Ich gleiche meinem Vater in nichts, und ich wäre dir dankbar, wenn du deine Ansichten für dich behieltest, in Anbetracht der Tatsache, daß du nichts von mir weißt."

"Also warum setzt du nicht deine eigenen Lehren in die Tat um, Snape?"

Potter stand auf, nahm seinen Mantel und war mit einem leichten Nicken den Flur entlang verschwunden. Snape fragte sich, ob es zum Abendessen Tee geben würde.

*

Potter ... der letzte Mensch auf der Welt, von dem er jemals gedacht hätte, daß er Weihnachten mit ihm verbringen würde.

Es war sein zweites Weihnachten in Askaban, und er hatte angenommen, daß er es genau wie das erste verbringen würde. Außer, daß er dieses mal einen anhänglichen wöchentlichen Besucher hatte, von dem er bezweifelte, daß er die Gelegenheit vergehen lassen würde, ohne in Erscheinung zu treten. Weihnachten war immer ein Tag gewesen, der ihn unerwartet traf, und hätte Albus Dumbledore nicht darauf bestanden, das Fest für das Lehrerkollegium einzuhalten, wäre es Severus am liebsten gewesen, den Tag unbemerkt verstreichen zu lassen.

Aber da war Potter ... ungeschickt ein in Geschenkpapier gewickeltes Päckchen durch die Gitterstäbe schiebend.

Snape bedachte ihn mit einem vernichtenden Blick und nahm es widerstrebend entgegen. "Ein Geschenk, wie nett von dir", sagte er halbherzig, sich in unbekanntem Gelände fühlend. "Ich bedaure es, daß ich nichts für dich habe, Potter. Ich mußte meine üblichen Festeinkäufe dieses Jahr beschneiden", sagte er trocken als er vorsichtig das farbenfrohe Papier entfernte. Er ließ dieser Tage nichts verkommen, und so achtete er darauf, es beim Öffnen des Geschenks nicht zu zerreißen.

Er hielt ein glänzendes neues Buch in seinen Händen. "Eine Geschichte aus zwei Städten", murmelte er als er es drehte, um den Schutzumschlag anzuschauen. Er schaute Potter scharf an. "Dickens", sagte er einfach nur, als er den Mann musterte.

Potter beobachtete ihn ängstlich. "Ist es in Ordnung? Du hast gesagt, daß du Dickens magst. Ich habe niemals etwas außer "Eine Weihnachtsgeschichte" gelesen, aber dieses hier hat Spannung und Dramatik, also habe ich gedacht ..." Er hielt inne. "Warte. Hast du es etwa schon gelesen?"

Snape machte ein unverbindliches Geräusch, immer noch den Umschlag lesend. "Hmm, ja, aber das ist schon lange her. Ich habe es ziemlich gerne gemocht, wenn ich mich recht erinnere." Er schaute zu Potter auf. "Du solltest es lesen, Potter. Es ist eines seiner besten. Du kannst doch lesen?" Er blätterte sich durch die Seiten und erstarrte, als er die Titelseite erreichte, auf die Harry eine Widmung geschrieben hatte. "Fröhliche Weihnachten, Severus. 25. Dezember 2000".

Severus sah ihn überrascht an. "Ein recht persönliches Geschenk, Potter. Severus?"

Potter wurde rot - seit neuestem keine seltene Erscheinung, nun da sie dazu gekommen waren, alles zu diskutieren, von Potters üblichem Tagesablauf bis hin zu seinen kläglichen Fehlschlägen mit dem anderen Geschlecht, von Snapes kurzen romantischen Verbindungen zu seinem farblosen Leben der jüngsten Vergangenheit.

Etwas in Snape gab nach, als er ihn beobachtete. "Du kannst mich nennen, wie du magst. Ich nehme an, es war zu erwarten, in Anbetracht dessen, daß du mich wöchentlich besuchst seit ..." Er beendete den Satz nicht, als ihm bewußt wurde, daß er, ohne heftig darüber nachzudenken, nicht hätte sagen können, wieviel Zeit vergangen war.

Potter lieferte ihm die Antwort. "Sechzehn Monate", sagte er leise.

Snape beobachtete ihn forschend. "Hast du denn mit deiner Zeit nichts besseres zu tun? Solltest du nicht bei den Weasleys sein oder mit dem Werwolf Eierpunsch trinken und Plumpudding essen?"

Er hätte es wissen sollen, sagte er sich später, als sein Abendessen gebracht wurde, während Potter noch da war. Er beobachtete voller Verblüffung, wie ein kleines Tischchen in seine Zelle geschoben und für zwei gedeckt wurde. Dann kam Potter herein und ließ sich für die Mahlzeit mit einschließen. Snape stand stocksteif und betrachtete das Mahl - das übliche Weihnachtsessen, reichlich versehen mit den zuvor genannten Klassikern. Oh, und nicht zu vergessen die verteufelten Weihnachts-Knallbonbons. Er schaute Potter ausdruckslos an.

Der winkte Snape, sich auf seiner Pritsche niederzulassen, und schob dann vorsichtig das Tischchen so, daß Snape nun an einem Ende saß. Er zog den Besucherstuhl ans andere Ende. Er lächelte ein wenig, als er Snapes Blick sah. "Selbst der Minister kann an Weihnachten großzügig sein", bemerkte er und bedeutete ihm zu beginnen.

"Du hast ihn um das hier gebeten?", fragte Snape, immer noch nicht fähig, seine Gabel aufzunehmen.

Potter zuckte mit den Achseln. "Ich bitte um nicht viel, also hört er zu, wenn ich es denn wirklich einmal tue." Er schaute auf und sah, daß Snape noch nicht zu essen begonnen hatte. Einen Augenblick lang sah er verwirrt aus. "Wie? Ich dachte du würdest froh sein, mal eine anständige Mahlzeit zu haben."

Snape nahm schließlich die Gabel auf, begann aber immer noch nicht zu essen, sondern beobachtete sein Gegenüber, als dieser sich den Teller füllte. "Du ergibst keinen Sinn, Potter. Das hast du niemals getan", sagte er heiser, woraufhin Potter besorgt aufblickte.

"Kannst du mir einen Gefallen tun?" Potter legte seine Gabel nieder und musterte ihn eindringlich.

Snape wurde steif; er hatte gewußt, daß die Sache einen Haken hatte - es gab immer einen, und selbst der mildtätige Harry Potter war nicht ohne Hintergedanken - obwohl sich Snape beim besten Willen nicht vorstellen konnte, was er für ihn tun könnte. Er betrachtete ihn vorsichtig. "Ich, etwas für dich tun?", fragte er mit deutlichem Zweifel in der Stimme.

Potter war dabei, ein Brötchen zu buttern, und schaute ihn nicht an, als er sagte: "Würde es dich umbringen, mich Harry zu nennen? Ich mag meinen Namen, und ich bekomme ihn kaum noch zu hören."

Das war es. Aha. Die Bitte klang wesentlich unschuldiger, als sie es in Wirklichkeit war. Er ignorierte die Frage und stellte eine eigene. "Was macht dich glauben, daß ich all das verdiene?"

Potter blickte überrascht auf und schaute sich in der kleinen Zelle um, mit ihrem sparsamen Mobiliar und Snapes bescheidenen Besitztümern. "Ich finde nicht, daß du es verdienst, Severus. Früher habe ich das geglaubt, aber jetzt ..." Er beendete den Satz nicht und hielt den Blickkontakt aufrecht.

Snape wurde klar, daß er mißverstanden worden war. "Das ist nicht, was ich gemeint habe, Potter. Ich meinte ... all das." Er deutete auf das Essen und das Buch, das auf der Seite lag.

"Oh. Hmm. Als ich darüber nachdachte, mit wem ich den Tag verbringen wollte ..." Er warf Snape einen nicht zu deutenden Blick zu. "Aus irgendeinem Grund bist du mir eingefallen. Beunruhigend, nicht wahr?" Er gab auf, so zu tun. als ob er essen würde, und sah Snape mit einem seltsamen Gesichtsausdruck an. "Aus irgendeinem Grund konnte ich den Gedanken an dich nicht ertragen, wie du hier den ganzen Tag alleine sitzt. Es ist Weihnachten, verdammt noch mal", murmelte er und begann, Snape vorzulegen, der sich immer noch nichts genommen hatte.

Snape beobachtete ihn, bis er sich zurücklehnte und seine Gabel wieder aufnahm, um zu essen. "Ja, beunruhigend ist genau das Wort, das ich auch gewählt hätte." Er schaute auf seinen Teller, und zum ersten mal seit Monaten hatte er plötzlich einen Bärenhunger.

*

Potter stand linkisch zur Seite, als der Wächter den Tisch aus der Zelle räumte, folgte ihm dann nach draußen und wartete, während die Tür erneut gesichert wurde. Als der Mann sich den Korridor entlang aufmachte, drehte er sich zu Snape und zog die Augenbraue hoch.

"So, ich nehme an, das war's für heute." Er folgte einem der Gitterstäbe mit dem Finger und schaute Snape nicht an.

Snape hatte diesen Moment gefürchtet, wenn auch nur, weil er ihm etwas abverlangen würde, das gegen seine Natur ging, besonders da es sich hier um Potter handelte. Er atmete tief und entschlossen ein und ließ die befremdliche Formulierung über seine Zunge rollen. "Vielen Dank, daß du gekommen bist, und ..." Er gestikulierte hinter sich. "... für das Buch und die Feier. Ich war überrascht, und das passiert mir zur Zeit nur wenig ..." Er stand auf und beobachtete Potter und war dann erstaunt über seinen ... enttäuschten Blick. Einen Moment lang dachte er über seine Worte nach, dann erinnerte er sich plötzlich ... ah, ja.

"Harry", endete Snape, und wurde augenblicklich mit einem zufriedenen Leuchten in den Augen des Mannes belohnt. Das war es, was er gewollt hatte, dachte Severus, und solch eine kleine Sache, wirklich, in Anbetracht ...

Severus lehnte sich gegen den Türpfosten und hätte geleugnet, daß er den Hals lang machte, um zu beobachten, wie der Mann den Flur entlang ging. Er tat es aber trotzdem.

*

Potter ... zur Hölle damit ... Harry ... der letzte Mensch, von dem er jemals erwartet hätte, daß er Mitleid mit Snape haben würde.

Ein paar Tage zuvor war Severus in Askabans trostloser Krankenstation erwacht. Er hatte einen Moment lang nur dagelegen und sich dann langsam die Ereignisse der vergangenen - wie lange war es überhaupt gewesen? - Tage vor Augen geführt: überwältigende Müdigkeit, Verlust des Appetits, Schüttelfrost, bohrende Kopfschmerzen, Fieber, und dann ... das nahm er zumindest an ... Delirium. Glückseliges Vergessen, eigentlich, zweifelsohne abgekürzt von dem Mann, der jetzt an seinem Bett saß, und der, wie es sich herausgestellt hatte, tatsächlich derjenige gewesen war, der verlangt hatte, daß Severus umgehend hierher gebracht wurde, um medizinische Hilfe zu erhalten, wenn man es denn wirklich so nennen konnte.

Er versuchte zu sprechen. Als jedoch ein heiseres Krächzen alles war, was er zustande brachte, lehnte sich die Gestalt auf dem Stuhl nach vorne, um ihm etwas Wasser anzubieten.

"Es wird Zeit, Severus. Du warst zwei Tage lang bewußtlos", sagte Harry, als er wieder Platz nahm. Seine Augen verrieten seine Besorgnis.

Severus leerte das Glas und schaute ihn dann müde an. "Was ist mit mir los?", fragte er schließlich flüsternd.

Harry zog den Stuhl näher heran. "Du hattest eine Lungenentzündung, aber jetzt nicht mehr. Normalerweise leiden Zauberer nicht lange unter dieser Krankheit, aber in deinem Fall", er seufzte kopfschüttelnd, "du hast sie nicht bekämpft, wie du es hättest tun sollen - Mangel an Gegenwehr, so haben sie es genannt."

Severus schaute sich um und sah, daß sie die einzigen Zauberer im Raum waren. "Ich erinnere mich an nicht viel", gab er zu, "außer an den Aufruhr, den du verursacht hast." Er wandte seinen Blick ab und sagte: "Ich hätte sterben können, Harry, und ich bin mir nicht sicher, daß du mir einen Gefallen getan hast."

Das Geräusch des Glases, wie es voller Wucht auf das Nachttischchen geschlagen wurde, ließ ihn überrascht aufsehen. Harry hatte sich erhoben und stand nun am Fußende des Bettes, die Knöchel weiß, wo er sich am Metallrahmen festhielt.

"Du bist ein Arsch, weißt du das, Severus?" Dann machte auf den Fersen kehrt und überließ es Severus, ihm hinterher zu starren.

"Hast du was anderes gedacht?", rief er ihm nach, aber Harry war bereits außer Hörweite.

*

Harry ... der letzte Mensch auf der Welt, den er sich jemals als Gesellschaft für Samstagabende ausgemalt hatte.

Aber hier waren sie und saßen sich an einem Schachbrett gegenüber, etwas, das während Harrys Besuchen jetzt regelmäßig vorkam. Severus mußte es dem Mann zugestehen; er hatte sicherlich jede Menge Einfluß ausgeübt, um diese Umstände herbeizuführen. Er verbrachte inzwischen seine Zeit mit Severus innerhalb der Zelle, auf einem Stuhl hockend, um Tee zu trinken oder, was ebenso häufig vorkam, sein Abendessen zu teilen. Bei diesen Gelegenheiten war das Essen deutlich besser und manchmal sogar von einem ganz passablen Wein oder Aperitif begleitet. Aus genau diesem Grund konnte Severus an jenem besonderen Abend geltend machen, daß seine übliche Zurückhaltung auf dem Altar des Bacchus geopfert worden war.

"Du machst es mir heute Abend widerlich einfach", sagte Severus, als er ihm seinen zweiten Läufer nahm.

"Hmm, ja", brummelte Harry und starrte auf das Brett.

Severus trommelte wartend mit seinen Fingern, hörte aber damit auf, als Harry ihn voller Unmut anschaute. "Verzeihung", entgegnete er und legte seine Hand in seinen Schoß, nicht jedoch ohne einen ungeduldigen Seufzer auszustoßen.

"Es kann nicht einfach gewesen sein ...", Harry bemühte sich um Gleichmut, als er die Spitze eines Fingers auf einen Bauern legte, "... ihn zu töten." Severus lehnte sich zurück, einen Moment lang fassungslos, und beobachtete, wie Harry den Bauern langsam an seinen Platz schob, sich dann aufrichtete und Severus direkt ins Gesicht blickte.

Das Spiel war jetzt völlig vergessen. Severus faßte sich mit der Hand an die Stirn. "Du hast nicht die geringste Vorstellung", sagte er mit weicher Stimme und prüfendem Blick.

"Laß es auf einen Versuch ankommen", wies Harry ihn still an, und Severus glaubte, in seiner Stimme Verzweiflung zu entdecken.

Er lehnte sich nach vorne, setzte beide Ellbogen auf dem Tisch auf und schockierte sich dann selbst, als er hinüberreichte und Harrys Kinn mit der Hand ergriff. Ihre Gesichter nur Millimeter voneinander entfernt, sagte er zu ihm: "Stell dir den wichtigsten Menschen in deinem Leben vor, jemand, der dir immer nur Güte erwiesen hat, jemand, der beides für dich gewesen ist, Mentor und Vater, jemand, der an das Beste in dir geglaubt hat, jemand, der dir geholfen hat, ein Ziel zu finden und eine Zukunft." Er hielt inne und erforschte Harrys Augen. Dann endete er mit eisiger Stimme: "Nun stell dir vor, daß dieser Mensch stirbt, und du kannst nichts tun, um ihn zu retten. Am Ende, auf sein Verlangen hin, tötest du ihn mit einem Unverzeihlichen Fluch." Er ließ ihn erst los, nachdem er die Frage gestellt hatte: "Kannst du dir das vorstellen, hmm? Hast du in deinem Leben jemals einen solchen Menschen auch nur gekannt?" Es war erschreckend zu sehen, wie die grünen Augen sich plötzlich mit Tränen füllten.

"Ja", murmelte Harry, beinahe unverständlich. Als Severus ihn fragend ansah, gab er zu: "Dumbledore war auch für mich wie ein Vater." Dann fügte er flüsternd hinzu: "Ich kann mir aber nicht vorstellen, ihn hätte töten zu müssen, wie du es getan hast."





Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von narcisse, 08.10.2014 um 12:00 (UTC):

Kommentar von V27950288, 24.10.2013 um 21:08 (UTC):
Gott, ich liebe diese FF!! Echt klasse <3



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