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Wegwerfhelden Teil 2
"

Harry ... der letzte Mensch auf der Welt, von dem Severus jemals geglaubt hätte, daß er sich über sein Privatleben Gedanken machen würde.

Die erschreckende Erkenntnis, die er vor Monaten über einem Schachbrett gehabt hatte, hatte Severus weit mehr überrascht, als er bereit war zuzugeben. Er war sich sicher gewesen, daß nichts in Harrys Vergangenheit seiner eigenen gleichen könnte, hatte sich dann aber gezwungen gesehen, der unangenehmen Wahrheit ins Gesicht zu schauen: Sie beide hatten den Verlust des greisen Zauberers betrauert, sehr wahrscheinlich weit mehr als irgendjemand sonst in der Zaubererwelt. Er nahm an, daß er, hätte ihm nicht die Tatsache im Wege gestanden dem "Jungen" gegenüber blind zu sein, lange schon hätte erkennen müssen, wie wichtig der alte Mann für Harry gewesen war. Wegen seines Widerstands gegen das Erlernen der Okklumentik hatte er jedoch wenig mehr in Harry gesehen als Halsstarrigkeit und Arroganz. Gelegentlich lag sogar er falsch, wohl wahr, aber er mußte zugeben, daß das Übersehen dieser Bindung einen ziemlich großen Ausrutscher darstellte. Er fand das ebenso beunruhigend wie ... tröstlich.

Mehrere Monate zuvor hatte Severus sein drittes Weihnachten in Askaban gefeiert. Harry hatte ihm eine Tasche voller Muggel-Romane gebracht und eine riesige Daunendecke für sein Bett, aber Severus' Lieblingsgeschenk waren die Schokoladenriegel gewesen. Sein eigenes Geschenk für Harry war einmal wieder von immateriellem Wert.

*

Sie hatten beide auf der Pritsche gesessen, mit dem Rücken zur Wand, und hatten die letzten Tropfen des Glenlivets genossen, den Harry zur Feier des Tages mitgebracht hatte. Die weiche Decke war über ihre Beine gebreitet. Severus vermutete, daß sie so ein wenig merkwürdig aussahen, und schauderte beim Gedanken an ein solches Bild der Häuslichkeit im Tagespropheten. Er konnte sich schon die Schlagzeile vorstellen: "Junge-der-Lebte und gefangener Todesser teilen Bett und Weihnachtsmahl." Er kicherte über sich selbst, und Harry schaute ihn von der Seite an.

"Was?"

"Ich denke, daß wir ein wenig seltsam anmuten", sagte Severus und zog die Decke bis zum Kinn.

Der Mann lachte. "Ja, ich denke du hast recht. Dein guter Ruf wäre ruiniert, das ist mal sicher."

"An deinen eigenen gar nicht zu denken", gab Severus zurück.

"Hmm, nee, ich glaube damit ist es schon lange vorbei", teilte Harry ihm mit einem Lachen mit.

Severus' Neugier war angestachelt. "Kläre mich auf." In Ordnung, das war ein Meilenstein, wurde ihm bewußt. Er stellte Harry Fragen zu seinem Privatleben, was an sich schon beunruhigend war. Am schlimmsten jedoch war die Tatsache, daß er sich ehrlich interessierte. Es fiel ihm aber leicht, dieses Gefühl abzuschütteln: Immerhin waren sie beide etwas lockerer als gewöhnlich, angesichts von Harrys großzügigem Geschenk.

"Was könntest du wohl getan haben, um deinen strahlenden Ruhm zu beschmutzen? Ich kann es mir wirklich nicht vorstellen."

Harry drehte sich leicht auf der Pritsche, um ihn besser sehen zu können. "Du hast doch den Propheten gelesen, oder? Hast du nicht bemerkt, daß es kaum noch Artikel über mich gibt?" Er wartete, während Severus darüber nachdachte.

"Du hast recht. Ich habe nicht viel über dich gesehen seit ..." Tja, er war sich nicht wirklich sicher, aber nun, da er darüber nachdachte, es mußte schon einige Zeit her sein, daß er überhaupt auch nur eine Erwähnung Harrys im Propheten gesehen hatte. Er runzelte die Stirn. "Du weißt, daß ich hier drinnen kein Zeitgefühl habe, aber es ist schon sehr lange her, seit dein Name, aus welchem Grund auch immer, aufgetaucht ist." Harrys Gesichtsausdruck ließ ihn fordern: "Heraus damit! Was ist passiert? Es kann ja nicht allzu schlimm gewesen sein, oder ich hätte darüber gelesen." Nach einem Moment der Erwägung rügte er: "Du hast mir diese Ausgabe vorenthalten, nicht wahr? Was in aller Welt, dachtest du, würde irgendeinen Unterschied für mich machen?"

Harry wurde unerklärlicherweise rot. "Sie hatten ein Bild von mir, ein kompromittierendes ... mit einem anderen Mann."

Severus spöttelte: "Jetzt sag mir bitte nicht, daß sie ein Bild von dir in der Nokturngasse hatten, mit deiner Zunge in seinem Hals."

"Nein, nicht in der Nokturngasse", protestierte Harry, ungehalten.

"Aha." Severus' Augen taxierten ihn. "So. Ich hätte es wissen sollen. Und hier dachte ich, daß deine Trennung von Miss Weasley ehrbareren Zweifeln geschuldet sei."

"Ja, also jetzt weißt du es. Aber als es in die Zeitungen kam, hättest du gedacht, ich hätte etwas Grauenvolles getan, so wie sie es hochgespielt haben." Harry fragte vorsichtig: "Also, bist du überrascht?"

"Natürlich nicht. Der Prophet war immer schon ein tratsch- und klatschverbreitendes Schmierblatt", sagte Severus.

Harry seufzte. "Nein, nicht der Prophet. Über mich, Severus." Severus grinste, und Harry schoß einen verärgerten Blick zurück. "Du weißt sehr gut, was ich gemeint habe", beschwerte er sich.

Severus schätzte ihn mit den Augen ab und genoß seine Unsicherheit. "Was mich am meisten wundert, Harry, ist, warum du glaubtest, meine Zeitung zensieren zu müssen, nur damit ich das nicht sehe."

Harry stürzte den Rest seines Glases hinunter, schaute dann Severus voller Entschlossenheit an. "Ich war nicht sicher, wie du reagieren oder was du denken würdest. Es war vor über einem Jahr, und so war ich mir nicht sicher, ob du die Information nicht benutzen würdest, um ... tja, um mich zu quälen." Er bedachte ihn mit einem halben Lächeln. "Darin warst du immer ziemlich gut, also wollte ich dir keine Munition liefern." Er schaute auf das Glas in seinen Händen.

Severus bewegte sich, ohne auch nur zu denken. Er hob seinen Arm und umfaßte Harrys Hinterkopf mit seiner Hand. Dann pflanzte er seinen Mund über Harrys Mund, der sich in einem Protestversuch geöffnet hatte. Es war kein leidenschaftlicher Kuß, aber Severus ging trotzdem gründlich vor. Als er Harrys verzögerte Antwort spürte, das Öffnen seines Mundes zu Severus' Mund, zog er sich abrupt zurück.

Harry führe eine Hand zu seinem Mund und starrte Severus mit untertassengroßen Augen an. "Ich schätze, das bedeutet, daß du mich nicht quälen wirst, weil ich schwul bin", sagte er mit einem wackeligen Lächeln.

"Hetero oder schwul - alle Zauberer sind das eine oder das andere", sagte Severus nüchtern.

"Ich schätze ich bin also das andere", sagte Harry langsam.

Severus studierte ihn scharfsichtig und sagte dann in einem Anflug von Sarkasmus: "Und es herrschte ohne jeden Zweifel Heulen und Zähneknirschen, als sie es herausgefunden haben. Der begehrenswerteste Junggeselle der Zaubererwelt aus dem Rennen genommen - keine Frage, daß es zu heftigen Gegenreaktionen kam. Aber sie scheinen es vergessen zu haben, nicht wahr? Ich habe seit einiger Zeit keine Erwähnung deiner Person mehr gesehen."

Harry rieb sich gedankenvoll das Kinn. "Ja, sie haben mich jetzt vergessen."

*

Monate waren seitdem vergangen, und Severus lag auf seiner Pritsche, auf den überfälligen Klang von Harrys Schritten wartend. Als er sie endlich hörte, schloß er kurz seine Augen vor Erleichterung und verfluchte den Mann für dieses üble Anzeichen von Abhängigkeit.

Er stand nicht auf, als Harry in seine Zelle gelassen wurde, drehte sich nur um und beobachtete untätig, wie er den Stuhl heranzog und sich an seiner Seite rittlings darauf niederließ.

"Bist du krank? Du bist nicht einmal angezogen", bemerkte der Mann mit Sorge.

"Oh, ich dachte ich schlafe heute mal aus", sagte er höhnisch. "Das Übermaß an sozialen Verpflichtungen hat mich fix und fertig gemacht. Du bist spät," sagte er übergangslos, als er sich aufrichtete, um sich an den Rand der Pritsche zu setzen.

Harry ließ einen riesigen Sack auf den Boden zu seinen Füßen fallen. "Ich war unterwegs, um dir neue Bücher zu besorgen. Du mußt den letzten Stapel inzwischen durch haben."

Severus streifte ihn mit einem uninteressierten Blick. "Ich habe nicht einmal den Stapel vor dem letzten Stapel durch, du hättest dich also nicht bemühen müssen", gähnte er.

Harry kräuselte seine Lippen für einen Moment und sagte dann: "Was ist das Problem, Severus? Das sieht dir gar nicht ähnlich. Üblicherweise hast du sie alle gelesen und jammerst, daß ich dir mehr bringen soll." Er wartete und, als keine Antwort erfolgte, beharrte er: "Was ist los?"

Severus' Blick war stürmisch. "Was ist los? Was ist los, Harry? Was könnte wohl los sein? Ich sitze hier, verrotte in diesem gottverlassenen Loch. Ich weiß schon nicht mehr, was ein Tag ist, zur Hölle, was ein Jahr ist. Es ist mir inzwischen egal, ob ich esse, und ich kann nicht einmal mehr schlafen, und das ist es, was ich tun will!" Er schloß plötzlich seinen Mund und drehte sein Gesicht zur Seite. "Nichts ist los," murmelte er, "vergiß, daß ich etwas gesagt habe."

Harry stand auf, drehte den Stuhl um und knallte ihn auf den Boden vor ihm, setzte sich dann und zog ihn so nah heran, daß ihre Knie sich fast berührten. "Severus, ich lasse dich nicht so einfach von der Angel, hörst du mich? Was denkst du, was ich hier versuche zu tun? Du mußt es bekämpfen, verdammt noch mal! Ich habe dir einen Kalender besorgt, ich bringe dir Bücher und Scheiß-Schokolade, du kriegst inzwischen sogar jeden Morgen den Propheten gebracht. Ich versuche, dir zu helfen, du Blödmann, aber du mußt es zumindest versuchen." Er hielt inne und fuhr dann etwas sanfter fort: "Du hast dich so gut gehalten, bis jetzt, so viel besser, als ich es geschafft hätte. Also bitte, Severus, tu das nicht. Ich weiß nicht, was ich sonst noch tun kann, um dir zu helfen."

Das Gesicht immer noch zur Seite gewendet, murmelte Severus: "Dann tu's nicht."

Er hörte wie Harry ein frustriertes Geräusch machte, dann: "Zu spät. Ich werde jetzt nicht aufgeben."

"Ganz wie du willst", sagte Severus.

Als Harry schließlich für den Moment aufgegeben hatte und gegangen war, schaute Severus endlich auf und in der leeren Zelle umher und sprach in die Dunkelheit: "Gryffindor".

*

Harry ... der letzte Mensch auf der Welt, von dem Severus jemals geglaubt hätte, daß er Severus wahrhaft schockieren könnte.

Wenn er ehrlich sein wollte, müßte er zugeben, daß er dem gefährlich nahe gekommen war ... Dieses zutiefst ärgerliche Beharren darauf, die Besuche fortzusetzen, obwohl Severus absolut klar gemacht hatte, daß er nicht willkommen war ... dieses ermüdende Herauslocken von Informationen über Severus' Vorlieben; Dinge, die dann beim nächsten oder übernächsten Besuch auftauchen würden ... diese schmeichelnde Besorgnis, die dazu geführt hatte, daß er sich tatsächlich auf die Schritte im Korridor freute. Nein, er war nicht wirklich schockiert gewesen, nur ... überrascht, das war alles. Aber dieses mal ... dieses mal würde er die Geschehnisse kategorisch als schockierend klassifizieren müssen. Besonders, da die Besuche in den letzten paar Monaten dazu herabgesunken waren, daß Harry in seinem Stuhl stur versucht hatte, sein Schweigen auszusitzen, was ihm jedoch niemals gelang.

Er hatte die Tür quietschen hören als Harry in die Zelle gelassen wurde. Er war in seiner Position verharrt, der Wand zugedreht, nur halb bei Bewußtsein, und hatte schemenhaft wahrgenommen, daß ein Stuhl an seine Pritsche herangezogen wurde.

"Severus, dreh dich um", sagte Harry energisch.

Nein, ich bleibe wie ich bin. Geh weg.

"Severus, ich gehe nicht weg. Jetzt dreh dich um und sprich mit mir. Jetzt." In seiner Stimme war eine untypische Entschlossenheit, die Severus zuvor noch nicht gehört hatte. Er blieb trotzdem ... unmotiviert. Er hörte das Scharren des Stuhls, dann geflüsterte Worte an der Tür ... Harry's Stimme und die mehrerer anderer.

Bevor er sich klarmachen konnte, was vor sich ging, wurde Severus aus dem Bett gezogen und aus der Zelle gezerrt. Er erhaschte einen Blick auf Harry, der an der Seite stand, als er wortwörtlich den Flur entlang gefegt und ohne viel Federlesens in der Dusche abgeladen wurde. Der Hahn wurde voll aufgedreht, und Severus schnappte nach Luft, als das eiskalte Wasser durch seine Kleidung drang.

"Raus aus den Klamotten und wasch dich, oder wir zaubern was Ekliges herbei, das es für dich erledigt", sagte man ihm, als eine Bürste und Seife in die Dusche geworfen wurden. Er zog sich aus, hatte er doch aus vergangener Erfahrung gelernt, daß Widerstand zwecklos war. Er machte den halbherzigen Versuch, sich zu säubern, duschte sich ab und trat zitternd aus der Kabine heraus. Frische Gefängniskleidung wurde in seine Richtung geworfen, und er zog sie gehorsam an. Dann wurde er schnell den Gang entlang zurück in seine Zelle geführt. Er trat ein und blickte den Mann, der dort saß und auf ihn wartete, finster an.

"Fühlst du dich besser?", fragte Harry ihn mit einem Grinsen.

"Wie kannst du es wagen?", zischte Severus, als er durch die Zelle schritt und sich erneut auf seine Pritsche warf. Als er gerade dabei war, sich wieder auf die Seite zu rollen, griff Harry ihn bei der Schulter.

"Oh nein, das wirst du nicht tun, Severus. Ich habe das nicht veranlaßt, damit du wieder schmollen kannst. Setz dich auf. Ich will mit dir reden", befahl er.

Severus setzte sich nicht auf, aber er drehte ihm das Gesicht zu. "Du hast kein Recht, überhaupt kein Recht, hier hereinzukommen und Forderungen zu stellen. Du bist derjenige, der darauf bestanden hat -"

"Schnauze, Severus. Ich bin nicht in der Stimmung. Ein berühmter Autor hat einst geschrieben: 'Ich habe es mit Freundlichkeit versucht. Ich habe es mit Beharrlichkeit versucht. Nun werde ich die Sache auf meine Art und Weise regeln.'" Er brachte sein Gesicht nahe an dasjenige von Severus heran. "Du bist wach, du bist bei Verstand, und du wirst hier sitzen und still sein, bis ich gesagt habe, was ich zu sagen habe. Verstanden?" In seinem Ton schwang eine Härte mit, die Severus niemals zuvor gehört hatte. Er setzte sich widerstrebend auf.

Er hatte das Dunkle Mal angenommen, es war von ihm verlangt worden, Scheußlichkeiten zu begehen, die ihm den Magen umgedreht hatten, er hatte in den gefährlichsten aller Zeiten als Doppelagent posiert, seinen Mentor getötet und sogar die endgültige Aushebung der Todesser überlebt. Nichts jedoch hätte ihn auf die Wendung vorbereiten können, die sein Leben jetzt nehmen würde.

Harry zog einen Stuhl heran, überschlug die Beine und kaute an seiner Unterlippe, während er Severus betrachtete. "Ich habe das Ministerium - oder eigentlich Scrimgeour - dazu gebracht zuzustimmen, dir einen Straferlaß zu gewähren.

Severus Mund klappte auf als er Harry anstarrte. "Einen Straferlaß", wiederholte er verblüfft.

Harry nickte, und Severus konnte seinem besorgten Gesichtsausdruck entnehmen, daß er etwas Abscheuliches zu hören bekommen würde.

"Severus, ich habe lange darüber nachgedacht. Du bist jetzt dreieinhalb Jahre hier, und du gehst langsam zu Grunde. Du weißt das", beharrte er freundlich.

"Fahre fort", sagte Severus tonlos.

Harry rieb seine Hände an seinen Jeans. "Ich habe das Ministerium nie um viel gebeten - obwohl sie versucht haben, mir viel zu geben. Als ich also zu Scrimgeour ging und ihn fragte, konnte er nicht wirklich nein sagen." Er senkte seine Augen.

"Er hat einfach so einen Straferlaß gewährt?", fragte Severus ungläubig.

Unglauben, der sich als wohlbegründet herausstellte, als Harry antwortete: "Na ja, nicht gerade einfach so." Er fügte schnell hinzu: "Ich wollte nur fragen, aber ich wußte irgendwie schon, bevor ich fragte, daß das nicht genug sein würde, und so hatte ich ...", er hielt inne, wie um sich zu wappnen, "... einen Plan B."

Severus hatte sich bereits mit etwas Unerfreulichem abgefunden. "Heraus damit, Harry. Was sind die Bedingungen?"

Harry schluckte zusehends. "Ich habe ihm gesagt, daß wir ein ... romantisches Interesse aneinander hätten, und daß ich für dich bürgen würde, und deshalb hat er einem Straferlaß zugestimmt, unter der Bedingung ..." Seine Stimme war angestrengt, als er schloß: " ... daß wir vor deiner Entlassung in einer offiziellen Zeremonie einen Bund schwören." Er lehnte sich schnell zurück, so als ob er so viel Raum wie möglich zwischen sich und die Explosion bringen wollte, die zwangsläufig bevorstand.

Severus war einen Moment lang sprachlos, lieferte dann aber die erwartete Reaktion: "Das kannst du nicht ernst meinen!" Auf den Ausdruck in Harry's Gesicht hin, donnerte er: "Potter? Du hast ihn glauben lassen -" Er hielt inne, als Harry so plötzlich aufstand, daß sein Stuhl rückwärts umfiel.

"Hör dir doch mal selbst zu", schoß Harry zurück, als er in dem kleinen Raum auf- und abtigerte. "Natürlich meine ich es ernst, Severus! Was denkst du, wie lange du das hier noch aushalten wirst? Du warst seit Weihnachten zweimal in der Krankenstation; du ißt nicht; du hast aufgehört zu lesen. Ich werde nicht dabeistehen und zusehen, wie du dir das antust!", schloß er hitzig. Er kam vor Severus zum Stehen, der ihn mit einem unheilvollen Blick bedachte. "Sag mir einfach, daß du die zehn Jahre absitzen kannst, und ich lasse das Thema fallen", sagte er herausfordernd.

Daraufhin mußte Severus den Blick senken. "Was ich entscheide zu tun, ist nicht deine Angelegenheit", sagte er leise.

Harry ließ sich vor ihm auf ein Knie fallen. "Severus, alles was ich weiß, ist, daß das deine Chance ist, hier herauszukommen. Was spielt das 'Wie' für eine Rolle? Was uns betrifft, wird es sowieso nur zum Schein sein. Und wenn du erst einmal frei bist ...", er senkte seine Stimme, "... dann liegt es an dir, was du mit dem Rest deines Lebens anfängst. Aber zumindest wirst du ein Leben haben", machte er geltend.

Severus sah ihn lange an. "Ich kann nicht glauben, daß es so einfach ist, Harry, nicht wahr? Da ist doch sicher noch mehr?" sagte er anklagend und wurde mit einer Grimasse belohnt.

Harry stand auf, rückte den Stuhl zurecht und nahm neben der Pritsche Platz. "Ja", sagte er müde, "es gibt da noch etwas, aber das ist nicht so schlimm, wie du jetzt glaubst." Auf Severus' angeekelten Blick hin schüttelte er frustriert seinen Kopf. "Natürlich ist die Zeremonie nicht alles. Nein, wir müssen zusammen wohnen." Bevor Severus etwas entgegnen konnte, erklärte er: "Und das ist der einfache Teil, Severus. Ich habe ein großes Haus, eines in dem wir beide zusammenleben können, ohne uns auch nur zu begegnen, über Tage hinweg. Du kannst deiner Wege gehen, und ich meiner. Wenn du darüber nachdenkst, ist es eine Formalität." Er wartete auf Severus, genau das zu tun.

'Freiheit', dachte Severus, 'und gerade noch rechtzeitig'. Er wußte, daß Harry recht hatte. Bei der Geschwindigkeit, mit der er abbaute, würde er es nicht mehr lange machen, körperlich. Die größte Gefahr jedoch war, was mit seinem Verstand geschah ... und mit seinem Willen, am Leben zu bleiben. In den vergangenen Monaten hatte er eine merkliche Minderung seiner Geisteskräfte festgestellt, und er hatte keine Ahnung, wie er diese Abwärtsbewegung aufhalten könnte. Aber sich mit Harry zu verbinden, schien eine solch drastische Maßnahme ... nicht nur für ihn selbst, sondern auch ...

Aufschauend, traf er Harrys durchbohrenden Blick, erforschte seine Augen und fragte dann: "Von all den Gründen, warum ich die Chance auf Freiheit mit offenen Armen ergreifen sollte, einmal abgesehen, ich muß mich doch fragen, warum du das tust. Es ist ein Bund fürs Leben, wie du sicherlich weißt. Also, warum? Warum würdest du dich für eine solche Geste wegwerfen? Es ergibt keinen Sinn, Harry."

Harry bedachte ihn mit einem reumütigen Lächeln und schaute dann auf seine Hände. "Nein, ich nehme an, das tut es nicht. Es war ursprünglich nicht meine Absicht, mich mit dir zu befreunden, Severus. Aber jetzt", sagte er als er wieder aufblickte, "sehe ich dich als einen Freund an. Und um ehrlich zu sein, ich habe heutzutage nicht viele davon, und da ich so viel Zeit in dich investiert habe, schwierig wie du bist, will ich dich nicht tot sehen."

Er hielt inne, lehnte sich leicht nach vorn und senkte seine Stimme, als er sagte: "Und wir wissen beide, daß es das ist, worauf du dich zubewegst. Lucius Malfoy hat es nicht einmal drei Jahre gemacht. Außerdem", sagte er, als er sich mit einem amüsierten aber wenig souveränen Lächeln zurücklehnte, "bin ich es leid, hier jede Woche herauszukommen. Wir werden also diese Bund-Geschichte erledigen, dich hier rausholen, und wir werden ein großes Haus teilen, in dem wir uns nicht ins Gehege kommen. Für mich ist das gar kein Problem, Severus. Wir müssen nicht wirklich eine Bindung eingehen. Wir müssen nur den Anschein erwecken, um dich hier rauszukriegen."

Severus hatte aufmerksam zugehört und dann die Frage gestellt, die noch unbeantwortet war: "Aber was ist mit deiner Zukunft mit jemandem? Du hast das offenkundig nicht durchdacht", bemerkte er.

Harry schüttelte den Kopf. "Es gibt niemanden, Severus. Und du mußt mir hier vertrauen, aber ich denke nicht, daß es jemals anders sein wird. Ich bin angeschlagene Ware", endete er und schaute weg.

Ihre Augen trafen sich, und für einen langen Moment versuchte Severus, den Mann zu lesen. Standhafte Ehrlichkeit war jedoch alles was er sah, und keinerlei Hinweis auf verborgene Ziele.

"Gut, was muß ich tun?" fragte er einfach, und fühlte, daß er mit diesen Worten die Welt gewonnen, aber seine Seele verloren hatte.

*

Harry ... der letzte Mensch auf der Welt, den Severus jemals als Lebensgefährten gewählt hätte.

Aber dann, er hatte in der Sache nicht wirklich eine Wahl. Mit seiner Einwilligung, die gerade mal eine Woche her war, hatte er einen Kompromiß geschlossen, der eine Flut von Selbsthaß entfacht hatte. Er wußte, daß Harry recht hatte, daß er kein weiteres Jahr überleben würde, aber trotzdem ... Es überstieg sein Vorstellungsvermögen immer noch, daß der Mann für dieses taktische Manöver willentlich seine Zukunft zu opfern bereit war, trotz seiner Beteuerungen, daß es kaum einen Unterschied für ihn machte. Selbstverständlich machte es sehr wohl einen Unterschied für Severus. Es war eine Sache, sich für den Tod zu entscheiden, wenn es keine andere Wahl gab. Sich zu entschließen zu leben, wenn es im Bereich des Möglichen lag, war etwas völlig anderes.

Als er die Nacht vor der Zeremonie auf seiner Pritsche lag, ging ihm durch den Kopf, daß es wahrscheinlich viele Dinge gab, an die er schon einmal hätte denken sollen, Fragen, die er hätte stellen müssen: Wo lebte Harry? Was würden sie der Öffentlichkeit mitteilen? Was würde Severus tun, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen? Was hatte Harry seinen Freunden erzählt? Würde er seinen Zauberstab wiederbekommen? Was würden seine Pflichten in einem gemeinsamen Haushalt sein? Was bedeutete das eigentlich ... ein gemeinsamer Haushalt? Er seufzte, als er sich umdrehte, um sich auf die letzte Nacht an diesem verdammten Ort einzurichten. Und irgendwie, allein der Gedanke, daß es hier wirklich seine letzte Nacht war, brachte alle seine Fragen zum Schweigen, zumindest für den Moment.

*

Zum Glück war es kurz. Scrimgeour und Severus' Wärter waren die einzigen Zeugen. Es war Harry gestattet worden, ein halbe Stunde vor der Zeremonie zu kommen, und er hatte dem frisch gewaschenen und rasierten Gefangenen saubere Gewänder gebracht. Severus war überrascht gewesen zu sehen, daß sie seinem alten Hogwarts-Kleidungsstil sehr nahe kamen; schwarze Hosen, ein weißes, eng zugeschnittenes Hemd. Robe und Mantel waren wesentlich luxuriöser, als er es gewohnt war.

Harry hatte ein paar Anweisungen in letzter Minute. "Severus", sagte er, als er ein verirrtes Haar von der Schulter des leicht irritierten Zauberers wischte. "Ich bin mir nicht ganz sicher, was Scrimgeour glaubt oder vermutet. Ich denke, daß ein gewisses Maß an ...", er suchte nach dem richtigen Wort, "... Zuneigung zwischen uns beiden erwartet wird." Er schaute Severus nüchtern an.

"Zuneigung?", fragte er ungewiß.

"Ja, Zuneigung, Severus. Es muß nicht viel sein, gerade genug, um das Spiel zu spielen. In Ordnung?", fragte er ängstlich.

Severus bedachte ihn mit einem schicksalsergebenen Blick. "Schön. Ich denke, das kann ich schaffen."

Als sie hörten, wie die Tür am Ende des Gangs mit einem Knall aufschlug, drehten sie sich beide um. Sie standen Seite an Seite der Zellentür gegenüber, und Severus war ein wenig schockiert, als er fühlte, wie Harrys Hand in die seine schlüpfte.

"Denk dran, du bist angeblich glücklich."

"Das bin ich", sagte Severus, halbwegs ehrlich.

*

Ihre Schultern berührten sich, als sie, eingerahmt von Scrimgeour und dem Wärter, dem uralt wirkenden Zauberer gegenüberstanden, dessen Erscheinung Güte ausstrahlte. Severus wurde sich undeutlich gewahr, daß man ihn dazu aufforderte, das Versprechen zu geben, hörte dann, wie im Gegenzug Harrys Stimme die Formel des Gelübdes murmelte. Schließlich hielten sie ihre verschränkten Hände hoch, damit der alte Mann sie mit seiner Hand bedeckte. Als der Bundesschwur gesprochen wurde, beobachtete Severus, wie ein goldener Lichtblitz sie umhüllte, ein dünner magischer Faden, der ihre Handgelenke umkreiste, sich dann zu einem Knoten schlang und kurz festzurrte, bevor er wieder verschwand.

"Glückwunsch euch beiden", sagte der Zauberer feierlich, als sie ihre Hände sinken ließen, die sich immer noch berührten. "Ich habe an sehr vielen Zeremonien dieser Art teilgenommen, viele davon, das muß ich leider sagen, mit widerwilligen Teilnehmern. Aber ich konnte der Erscheinungsform eures Bundes entnehmen, daß zwischen euch beiden Zuneigung herrscht. Ein guter Beginn", endete er mit einem Lächeln.

Zuneigung? überlegte Severus und wurde sich plötzlich bewußt, daß Harry sich ihm mit erwartungsvollem Blick zugewandt hatte. Er gab einen skeptischen Blick zurück, bemerkte aber dann, daß die anderen sich ihm ebenso zugewandt hatten und auch etwas zu erwarten schienen. Ah, der zeremonielle Kuß, wie dumm von mir, nicht daran gedacht zu haben.

Er glich in nichts dem Kuß von vor langer Zeit, den er initiiert hatte, um einen Beweis zu führen. Trotz der Keuschheit des Kusses konnte Severus die Hitze spüren. Ob es eine Nachwirkung des Bundeszaubers war oder etwas anderes, hätte Severus nicht sagen können, und er war zu benommen, um sich auch nur zu wundern. Als sie aber voneinander ließen, war Harrys verblüffter Blick nicht mißzuverstehen, und ohne Zweifel ein Spiegelbild seines eigenen Gesichtsausdrucks.

Die Bootsfahrt vom Gefängnis zum Festland verlief schweigend. Die Neuheit von See und Himmel und Freiheit hielt Severus in ihrem Bann. Als sie am Ufer ankamen, bot Harry dem verwirrten Mann seinen Arm, damit er sie Seite an Seite Apparierte, nach Hause.

*

Harry ... der letzte Name auf der Welt, von dem er sich jemals hätte vorstellen können, ihn in einem Satz zu nennen mit dem Wort und der Idee von Zuhause.

Aber da waren sie. Harry führte ihn durch eine ganze Flut von Zimmern und protzte mit den ausgedehnten Räumlichkeiten. Severus konnte Harrys frühere Behauptung nun verstehen, daß sie zusammen würden wohnen können, ohne wirklich zusammenzuleben.

Harry öffnete eine Tür an einem Ende des zweiten Stockwerks und bedeutete Severus mit einem Kopfnicken, einzutreten. "Das sind deine. Es gibt drei Räume, die miteinander verbunden sind, ein Wohnzimmer, ein Arbeitszimmer und ein Schlafzimmer mit einem Bad. Sie sind noch nie benutzt worden, also denke ich -" Severus' Gesichtsausdruck ließ ihn innehalten. Der war wie angewurzelt in der Tür des Arbeitszimmers stehengeblieben.

"Mein ... Tisch, und meine Bücher, und ..." Severus schüttelte verwirrt seinen Kopf.

"Oh, das", sagte Harry erleichtert. "Die sind in Hogwarts eingelagert worden, nachdem du ... gegangen warst. Minerva hat mir geholfen, sie zu finden und wieder aufzustellen." Er lehnte sich gegen den Türpfosten und beobachtete, wie Severus in den Stuhl hinter dem Schreibtisch sank und mit seinen Händen über die Schreibunterlage mit ihren Tintenklecksen fuhr. "Es tut mir leid, aber dein Besitz in Spinner's End wurde versteigert", teilte er ihm bedauernd mit. "Vom Ministerium, natürlich, nicht lange nach deinem Prozeß."

"Hmm, macht nichts", kommentierte Severus, anderweitig beschäftigt. Er zog Schublade um Schublade auf und überprüfte deren Inhalt. "Alles Wichtige war sowieso in Hogwarts. Es war für den größten Teil meines Lebens mein Zuhause, nicht Spinner's End."

Harry bewegte sich unbehaglich hin und her. "Trotzdem, es war alles, was du besessen hast."

Severus stand auf und ging zurück zur Tür, wo er sich umdrehte und, gemeinsam mit Harry, den Raum musterte. "Kein großer Verlust, das kann ich dir versichern."

Er fand das Wohnzimmer mit seinen geliebten Ledersesseln und der Couch ausgestattet, und das Schlafzimmer mit seinem eigenen Bett und einem Schrank voller Kleidung. Ganz plötzlich durchzuckte ihn der Gedanke, wieviel Aufwand es gewesen sein mußte, all das wiederzubeschaffen, und das in so kurzer Zeit. Er wandte sich zur Seite, um Harry anzusehen, wie er dort in der Tür stand und ihn, ohne zu lächeln, beobachtete. "Ich habe das ganz sicher nicht erwartet", sagte er steif, aus irgendeinem Grund nicht in der Lage, seine Dankbarkeit in Worte zu fassen.

Später am Abend, als Harry ihn nach einem ruhigen Abendessen auf die Veranda begleitete, wurde ihm der Grund glasklar. "Schau, Severus", sagte Harry und deutete nach Westen.

Niemals ein gefühlsbetonter Mensch, konnte Severus den ungewohnten Ansturm der Ergriffenheit spüren, der ihn an diesem Tag schon mehrfach zu überwältigen gedroht hatte. Der Himmel war blutrot und azurblau gestreift, als die Sonne tief am Horizont unterging. Sie berührten sich diesmal nicht, als sie, Seite an Seite, beobachteten, wie die klar voneinander abgegrenzten Farben sich vermischten und hinter den Bäumen verblaßten. Severus spürte die Feuchtigkeit auf seinen Wimpern und fummelte, um sie mit seinem Ärmel wegzuwischen. "Es ist etwas in meinem Auge", sagte er leise, aber diesmal wußte er, daß Harry verstand.

*

Harry ... der letzte Mensch auf der Welt, von dem Severus sich vorgestellt hätte, ihn über einen Frühstückstisch hinweg anzusehen.

Nicht daß er sich jemals vorgestellt hätte, irgendjemanden über einen Frühstückstisch hinweg anzusehen. Nein, er hatte sich immer vorgestellt, seine Jahre in friedlicher und selbst auferlegter Einsamkeit zu verbringen. Er war auch angeschlagene Ware, wurde ihm eines Tages klar, als er Harry über seinem Frühstückstee den Propheten lesen sah. Ein Paar von Außenseitern, das gut zusammenpaßt, dachte er, während er sein süßes Brötchen butterte. In den drei Monaten, die Severus nun hier war, hatte Harry nicht einmal auch nur einen einzigen Besucher gehabt. Es war Severus ein Rätsel. Er selbst hatte schon seit langem seinen Frieden mit der Einsamkeit gemacht, aber er wußte von der Schulzeit des Mannes her, daß er Freunde gehabt hatte, auch enge Freunde.

Sie hatten sich an einen Rhythmus gewöhnt, der ihr Zusammenwohnen im gleichen Haus regelte. Severus verbrachte die meiste Zeit in seinen eigenen Räumen, besonders während der ersten Monate, in denen sein Verstand gerade erst damit begonnen hatte, die Auswirkungen von all dem zu schätzen, was sie beide in die Wege geleitet hatten. In der allerersten Woche hatte Harry sich mit Severus hingesetzt, um Finanzen zu diskutieren. Als Severus etwas von mehreren wertvollen Büchern gemurmelt hatte, die er vorhatte zu verkaufen, hatte Harry ihm eine Kopie des Bundesvertrags hingeschoben und mit dem Finger auf den Absatz gedeutet, der ihren gemeinsamen Besitz regelte.

"Du bist übergeschnappt", hatte Severus ihm fassungslos mitgeteilt.

Harry hatte mit den Schultern gezuckt. "Du siehst, was ich besitze. Mit dem Erbe meiner Eltern und dem von Sirius muß ich überhaupt nicht arbeiten, wenn ich nicht will. Es ist nur Geld." Sein Blick huschte zu Severus. "Und mehrere Liegenschaften. Der Sache ist die, du solltest dir keine Gedanken über Silbersickel und Knuts machen. Obwohl du, zu deinem eigenen Besten, etwas finden mußt, womit du deine Zeit verbringen kannst. Es ist gefährlich", hatte er gesagt und dann schnell weggeschaut, "kein Ziel zu haben. Etwas, das dich morgens aufstehen läßt, eine Beschäftigung, die dich dazu zwingt, deinen Verstand an etwas außerhalb dieser vier Wände zu betätigen."

"So wie du?", hatte Severus ihn verschmitzt gefragt, was ihm ein kleines, angestrengtes Lächeln eingebracht hatte.

"So wie ich, Severus. Das ist eine andere Geschichte für einen anderen Tag. Wie auch immer, dein Name ist nun auf allen Konten. Ein Brief mit einer Posteule ist alles, was du brauchst, um auf sie zuzugreifen." Er war aufgestanden und hatte Severus angeschaut. "Ich weiß, wie selbstgenügsam du zu leben gewohnt bist, Severus. Sieh es als Bezahlung an für all die Jahre, in denen du es mit mir hast aufnehmen müssen." Er war schon an der Tür gewesen, als er sich umgedreht hatte, um zu sagen: "Wieviele Male hast du mein Leben gerettet? Ich habe bei vier den Überblick verloren." Er hatte breit gelächelt und dann leise die Tür hinter sich geschlossen.

*

Harry ... schaute von seiner Zeitung auf und erwischte ihn beim Starren. In der ersten Zeit hatte sich Severus darüber geärgert, wie scharfsinnig der junge Mann war, wenn es dazu kam, Severus' Stimmungen und seine Mimik und Gestik zu lesen.

"Was ist los, Severus? Ist dein Brötchen alt?", neckte er, aber der Ton seiner Stimme verriet leichte Besorgnis.

Severus warf dem Hauself, der erwartungsvoll an seiner Seite stand, einen flüchtigen Blick zu. "Nein, natürlich nicht, aber der Tee ist kalt", beschwerte er sich und griff nach dem zweiten Teil des Propheten.

"Was hast du heute vor?", kam es hinter Harrys Zeitung hervor.

"Das übliche", antwortete Severus.

Das übliche beinhaltete eine ganze Reihe von Aktivitäten, mit denen Severus seine Stunden füllte. In einem Versuch, die Lücken, die seine Zeit im Gefängnis hinterlassen hatten, wieder zu schließen, hatte er die Zeitschrift für Zaubertränke abonniert. Einen Teil seines Tages verbrachte er damit, seine Forschungstagebücher und Querverweise durchzusehen, etwas, von dem er wußte, daß es reine Beschäftigungstherapie war. Zudem befriedigte er seine kürzlich wiedererwachte Leidenschaft für Muggel-Literatur. In der großen Bibliothek des Hauses hatte er eine eindrucksvolle Sammlung entdeckt und war gerade dabei, sich hindurchzuwühlen.

Gefragt, warum er damit fortfuhr, Bücher zu erwerben, die er offensichtlich nicht die Absicht hatte zu lesen, hatte Harry mit einem amüsierten: "Oh, ich habe die Absicht ... irgendwann einmal", geantwortet.

*

Harry ... der letzte Mensch ... seltsam, aber Severus dachte an Harry nicht länger in diesen Begriffen.

Mit ihm im gleichen Haus zu leben, Gespräche und die Mahlzeiten zusammen zu genießen, und manchmal sogar seltene Momente der Fröhlichkeit, hatte die vielen 'ersten' Hemmnisse durchbrochen und überwunden, so daß die Wendung 'der letzte Mensch auf der Welt' nun unwiderruflich überholt war.

Es war früher Oktober, und Severus saß spät abends an seinem Schreibtisch, als ein Klopfen an der Tür ihn aufsehen ließ. Harry stand nur kurz hinter der Schwelle, die Hände leger in die Hosentaschen geschoben. Als Severus seinen Kopf schieflegte, trat Harry zögerlich einen Schritt vor.

"Darf ich hereinkommen?", fragte er.

Severus verkniff sich die Worte: 'Es ist dein Haus', und bat ihn, auf den Sessel vor seinem Schreibtisch deutend, einzutreten: "Natürlich." Er beobachtete, wie Harry Platz nahm, und es fiel ihm nicht zum ersten mal auf, wie rastlos und abgelenkt der Mann zu sein schien.

"Woran arbeitest du?", fragte Harry neugierig und zeigte auf Snape's Schreibtisch.

"Oh, das." Severus strich mit seinen Händen über das Pergament. "Es ist ein Abriß des Buches, das ich gerade beendet habe, ein paar meiner Beobachtungen, nichts wichtiges."

"Welches Buch?", beharrte Harry.

Severus zögerte und schob dann das Buch zum vorderen Rand des Schreibtischs. "'Das Scharlachrote Siegel'", gab er zu.

Harry lehnte sich vor, um den Titel anzusehen. "Ein Muggel-Buch?", fragte er, als er es nahm und sich den Umschlag anschaute. Er warf Severus einen kurzen Blick zu und deutete auf das Pergament. "Darf ich? Sehen was du geschrieben hast?"

Severus kräuselte seine Lippen, registrierte Harrys Gesichtsausdruck und seufzte. Dann reichte er ihm das Pergament. "Wie ich gesagt habe, nur meine persönlichen Eindrücke, nichts, das sonderlich gut durchdacht wäre." Während er darauf wartetet, daß Harry fertig wurde, beschäftigte er sich damit, seinen Schreibtisch aufzuräumen, und fragte sich, warum in aller Welt er nervös war, so eine harmlose Abhandlung herzuzeigen.

Harrys Stirn zog sich während des Lesens in Falten, aber als er das Pergament sinken ließ, bedachte er Severus mit einem aufrichtigen Lächeln. "Ich bin ja kein Literaturkritiker, aber das ist wirklich sehr gut, Severus. Klar und präzise, und sogar mit sarkastischem Humor gespickt." Er legte es auf den Schreibtisch und lehnte sich in seinem Sessel zurück. "Bringt mich tatsächlich dazu, es lesen zu wollen", sagte er, die Anfänge eines neuen Lächelns auf den Lippen.

"Hmm", sagte Severus, als er die Arbeit zurücknahm. "Es ist in deiner Bibliothek. Du müßtest also nicht weit gehen, um es zu finden." Er legte das Pergament in einen Ordner, verspürte dann das Bedürfnis, näher zu erläutern. "Es ist etwas, das ich immer getan habe, mit jedem Buch, das ich gelesen habe, sei es für die Arbeit oder zum Vergnügen. Ich habe ganze Ordner voll mit meinen ... Meinungen." Er stellte das Buch ins Regal hinter sich und drehte sich zurück zu Harry. Er beobachtete, wie der Mann an den Messingknöpfen seines Sessels herumfummelte, und fragte ihn: "Also, was machst du jetzt, Harry, um deinen Verstand zu betätigen, wie du es, glaube ich, genannt hast?" Er registrierte eine leichte Aufwärtsbewegung von Harrys Lippen und stellte dann die Frage, die ihn seit Monaten beschäftigte.

"Wo sind deine Freunde, Harry? Insbesondere Granger und Weasley? Es gab eine Zeit, in der ihr wie siamesische Drillinge gewesen seid. Ich hoffe sehr, daß sie nicht meinetwegen wegbleiben", murmelte er. Diese Möglichkeit wurde ihm nicht zum ersten Mal bewußt.

Harry hörte mit dem Herumhampeln auf und verschränkte seine Finger vor sich. "Ich sehe sie, Severus, aber nicht sehr häufig. Sie sind verheiratet, wußtest du das? Bis jetzt noch keine Kinder, aber sie sind beschäftigt." Er warf Severus einen spekulativen Blick zu und schien zu einer Entscheidung zu kommen. Er lehnte sich auf seinem Sessel vor, seine Ellbogen auf den Knien, und fuhr fort: "Du hast es wahrscheinlich nicht bemerkt, aber sie waren wirklich die einzigen Freunde, die ich hatte. Die anderen waren eher ..." Er suchte nach einem Wort. "... Anhänger als Freunde. Du weißt schon, dieses ganze 'sich an den Erwählten ranschmeißen'." Er lächelte matt. "Sobald das vorbei war, und da sie niemals eigentlich Freunde waren, war's das dann." Sein Lächeln war jetzt grimmig. "Erinnere dich, Severus. In der zweiten Klasse. Da waren sie davon überzeugt, daß ich der Erbe Slytherins sei. In der vierten Klasse haben sie niemals wirklich geglaubt, daß ich nichts damit zu tun hatte, als mein Name aus diesem verdammten Kelch kam. Dann, in der fünften Klasse, keine Ahnung was sie gedacht haben, über Cedrics Tod und Voldemorts Rückkehr." Er fuhr sich mit den Händen durchs Haar, als er sich in Erinnerungen erging, und Severus hatte die plötzliche Eingebung, daß er gleich etwas von Bedeutung zu hören bekommen würde.

"Weißt du, sogar bevor ich nach Hogwarts ging, hatte ich keine Freunde. Und nachdem ich dort angefangen hatte, waren Ron und Hermine die einzigen, die zu mir hielten. Die anderen ... keine Ahnung. Es hing vom neuesten Propheten-Artikel ab. Oder davon, wie erfolgreich die Quidditch-Mannschaft war." Er atmete aus. "Nun, da alles vorbei ist und ich getan habe, was von mir erwartet wurde ..." Er hielt inne, sank tiefer in seinen Sessel und streckte seinen langen Beine von sich.

"Du warst auch nicht besonders kooperativ", erinnerte ihn Severus, "in deiner Ablehnung von Interviews und öffentlichen Auftritten." Als Harrys Kopf hochzuckte, endete er: "Womit du die ganze weibliche Bevölkerung der Zaubererwelt, begierig, deine Kinder auszutragen, auf ewig enttäuscht hast."

Harry errötete, schaute weg und schnell wieder hin. "Du hast recht, Severus, aber ich glaube, es hat die Geschichte nur vorangebracht. Sie hätten ihr Brimborium mit mir aufführen können, aber früher oder später wäre es sowieso aufs gleiche hinausgelaufen. Ich war jemand, den sie gebraucht haben, und jetzt ..."

"Bist du es nicht", schloß Severus für ihn. Er stand auf, ging zur Vorderseite des Schreibtischs, lehnte sich dagegen und sah Harry direkt ins Gesicht. "In dieser Hinsicht gleichen wir uns, nehme ich an. Was es betrifft, einem Zweck zu dienen und danach bequemerweise vergessen zu werden. Oder, wie in meinem Fall", fügte er trocken hinzu, "entsorgt."

Harry musterte ihn mit einem seltsamen Blick und murmelte: "Du hast ja keine Ahnung, Severus." Er schien seine Worte umgehend zu bereuen und suchte den Augenblick zu überspielen, indem er sich hinunterbeugte, um einen Schnürsenkel zuzubinden.

Severus wartete. Als Harry wieder aufsah, und ihre Augen sich trafen ließ ihn die Intensität seines Blicks wissen, daß sich Severus nicht so einfach hatte ablenken lassen.

"Raus damit, Harry. Ich habe ein Recht darauf, Bescheid zu wissen", sagte er sanft.

Harry stand unvermittelt auf, ging zur Bar und kehrte mit zwei Drinks zurück. Nachdem er Severus einen davon gereicht hatte, deutete er auf den zweiten Sessel und sagte resigniert: "Setz dich."

Severus gehorchte und schob seinen Sessel so, daß beide Möbelstücke Lehne an Lehne standen. "In Ordnung. Ich habe Alkohol, um den Schlag zu mildern, also los jetzt", befahl er.

Auf seinem Sessel warf Harry für einen Augenblick den Kopf zurück und rollte die Schultern, so daß er Severus anschaute. "Du wurdest nicht wegen deiner Verbrechen als Todesser nach Askaban geschickt, Severus. Du wurdest dorthin geschickt, weil du Dumbledore getötet hast." Severus öffnete seinen Mund, aber Harry hielt eine müde Hand hoch. "Laß mich ausreden. Seit dem Augenblick, als Voldemort gegen Ende meines vierten Schuljahrs zurückkehrte, war das Ministerium unter Beschuss. Sie haben sich mit der Bedrohung, die von ihm ausging, niemals angemessen befaßt. Der Tod des Schulleiters löste beinahe eine Rebellion aus. Scrimgeour war nur knapp dazu in der Lage, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Und nachdem ich es dann endlich geschafft hatte, das Schwein zu töten, war den Interessen des Ministeriums, die vor allem darin bestanden, das Vertrauen der Öffentlichkeit wiederzuerlangen, nur wenig damit gedient, daß es nicht viele überlebende Todesser gab, die man verfolgen und publikumswirksam zur Schau hätte stellen können. Nein, sie brauchten einen Vorzeigeschurken, und sie entschieden sich für dich als die vollkommene Wahl. Sie haben jede Menge Gerüchte verbreitet, Severus. Daß du während meines sechsten Schuljahrs, als er langsam gestorben ist, nicht viel getan hättest, um ihm zu helfen. Daß du den Todesfluch zwar auf sein Verlangen hin gesprochen, ihn in Wirklichkeit aber, ein bißchen weniger dramatisch, schon längst umgebracht hättest.

Er stürzte den Rest seines Drinks hinunter und fuhr fort: "Sie brauchten einen Sündenbock, Severus, jemanden, auf den die Zaubererwelt schauen konnte und denken: 'Der Gerechtigkeit ist Genüge getan worden. Der Übeltäter sitzt hinter Schloß und Riegel und bezahlt für seine Verbrechen.' Es war nicht wirklich wichtig, welche Verbrechen, oder sogar, daß du von diesem speziellen Verbrechen freigesprochen worden warst. Es war ein Fall von Massenhysterie, und das Ministerium suchte jemanden, der die ganze Wucht des aufgestauten Zorns, ausgelöst durch Dumbledores Tod, abfangen sollte. Du warst dieser Jemand. Du warst ein Symbol ... du warst ..."

"Entbehrlich", beendete Severus den Satz für ihn.

"Eine Sache von Auge um Auge", sagte ihm Harry.

"Einen Zauberer für einen Zauberer", gab Severus zurück.

Harry drückte seinen Arm. "Einwegprodukte, Severus, zum Wegwerfen. Menschen, die ihre Rolle gespielt haben und nun nicht mehr nützlich sind. Menschen, die niemand besonders vermissen wird, wenn sie weggeworfen werden." Severus fühlte, wie Harrys Hand seinen Arm hinunterglitt und Harry ihre Finger verschränkte. "Genau wie ich, Severus. Wir sind zum Wegwerfen."

Als Harry aufstand, um zu gehen, war Severus immer noch in Gedanken versunken. "Ich habe dich aufgeregt, nicht wahr?"

Severus winkte ab. "Es ist inzwischen egal. Ich bin aber froh, daß ich Bescheid weiß. Irgendwie verringert es meine Wut. Ich weiß nicht genau wieso, aber so ist es."

"Severus?"

Er schaute auf und sah Harry hinter seinem Schreibtisch stehen. "Würde es dir etwas ausmachen, wenn ich mir deine Abhandlung ausborgte? Was du über 'Das Scharlachrote Siegel' geschrieben hast? Ich würde es mir gern noch mal ansehen, vielleicht sogar das Buch lesen, wenn es dir nichts ausmacht."

Severus murmelte etwas Unverständliches und deutete auf das Bücherregal. "Nimm es." Er wurde gewahr, daß Harry einen Augenblick lang neben seinem Sessel stand, fühlte er doch, wie der Mann seine Schulter kurz drückte, bevor er ging.

*





Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von fredo, 07.03.2014 um 17:03 (UTC):
GEEEEEIIIIIIL!!!!!



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