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„Ich weiß ja, dass ihr Gryffindors nicht immer die Hellsten seit, doch, dass ihre GAR NICHTS sagt, wenn Miss Granger mal nicht anwesend ist und ihren Senf dazu gebt, ist wirklich traurig. 50 Punkte Abzug. Ihr braucht gar nicht zu stöhnen! Ihr habt es nicht besser verdient. Nach der zweiten Stunde komme ich mir bereits vor, als ob ich gegen eine Wand reden würde“, zeterte Snape und zauberte die Tafel sauber. „Geht nun! Ich erwarte von euch, dass ihr am Montag mehr mitarbeiten. Und Weasley, vergessen Sie diesmal nicht wieder ihren Kessel!“
 

„Mann, wie ist der denn drauf?“, fragte Ron und packte schnell seine Bücher, um mit Harry aus dem Kerker zu verschwinden.
 

Doch Harry schlürfte langsamer aus dem Klassenraum. Sein Blick fiel auf Snape, der nun zusammengesackt in seinem Stuhl saß und sich die Augen rieb. Der Tränkemeister hatte es wirklich nicht einfach. Tag für Tag stand er vor hunderten Schülern, die zum Teil wirklich keine Lust hatten Tränke zu brauen. Hauptsächlich war leider Severus Snape selber schuld, denn er machte vielen Schülern das Leben wahrlich zur Hölle. Aber nur denjenigen, die sich nicht genug Mühe zu geben schienen, und das waren leider die meisten Schüler.
 

„Harry kommst du?“, rief Ron aus dem Flur.
 

Harry sagte nichts, sondern ging stillschweigend den selben Weg, wie sein Freund. Hermione war seit Gestern im Krankenflügel, weil sie sich eine schwere Grippe geholt hatte. Ron wollte sie nach dem Unterricht sofort besuchen, doch Harry hatte ihm gesagt, dass er in die Bibliothek gehen wollte. Was zum Teil gelogen und zum anderen wiederrum nicht gelogen war. Er meinte zwar, dass er dort hinging, um zu lernen, doch er verbrachte die Zeit eher damit aus dem Fenster zu starren und versuchen den Sinn des Lebens zu finden. Wie theatralisch fand er jedes mal, wenn ihm dieser Ausspruch „Sinn des Lebens“ in die Gedanken kamen.
 

Reden wir doch mal nicht um den heißen Brei. Harry hasste sein Leben, sonst würde ihm dieser „Ausspruch“ nicht mal Ansatzweise in den Sinn kommen.
 

Nehmen wir uns doch mal Ron. Er war der beste Beweis dafür. Hermione da, Hermione hier, Hermione überall. Es ging nur noch um sie. Nicht, dass das schlimm war, aber da Hermione nun im Mittelpunkt stand bei dem Rothaarigen wurde Harry nach hinten geschoben. Wichtig war er erst, wenn es im Tagespropheten hieß, dass ein Death Eater mal wieder jemanden umgebracht hatte. Ja, dann kam Harry ins Spiel
 

„Warum hast du noch nichts dagegen gemacht?“
 

„Du-weiß-schon-wer hast du doch oft genug gesehen und es bisher immer noch nicht geschafft in zu töten?“
 

„Der Held der Zauberwelt sollte es doch nun langsam mal die Initiative ergreifen.“
 

Ja, das durfte er sich beinahe täglich anhören. Manchmal kam er sich vor wie ein Werkzeug. Vielleicht war das nicht mal so abwegig. Was sollte seine Existenz denn sonst für einen Sinn haben? Dumbledore hatte ihn doch nur auf die Schule geholt, um seinen damaligen Fehler Tom Riddle als Schüler aufgenommen zu haben, nun wieder gut zu machen. Indem er Harry manipulierte und als Maschine aufzog, ohne Eltern, ohne Freunde, kam der Direktor seinem Ziel immer näher.
 

Er musste bei dem Gedanken selber lachen. Es kotzte ihn einfach an. Die derzeitige Situation. Doch was sollte er anderes machen, als sich den Plänen diesen alten Sacks zu ergeben?
 

Müde sah er wie immer vom Oberen Bibliotheksstockwerk auf den See. Die Untergehende Sonne spiegelte sich im Wasser. Er war zwar schon im vierten Schuljahr im See geschwommen, doch wollte er nicht wissen, was sich noch alles darin verbarg. Den Schülern war schließlich streng untersagt dort schwimmen zu gehen. Hermione hatte mal in einigen Büchern geforscht, doch nur wage Hinweise auf die Lebewesen gefunden, die dort hausten.
 

Sein „Alibi-Buch“ lag aufgeschlagen vor ihm. Er wusste nicht einmal welches er sich da aus dem Regal genommen hatte. Gelangweilt blätterte er einige Seiten um. „... und so kann man mit Gewissheit sagen, dass Binnkraut tödlich ist, wenn man es oral einnimmt...“
 

Tödlich... tödlich... es war wie ein Echo, dass Harry immer wieder durch den Kopf ging. Wie er sich doch wünschte einfach zu sterben. Einfach umzufallen und nichts mehr zu hören, zu sehen, zu fühlen. Diese unendliche Einsamkeit, die seit Sirius' Tod in ihm wohnte. Einige Zeit hatte er daran festgehalten, dass Sirius der einzige Mensch war, der in ihm nicht den Helden gesehen hatte, doch dann fiel es ihm wieder ein. Was er verdrängt hatte. Jahre. Der dünne Faden, an den er sich geklammert hatte, riss von Sekunde zu Sekunde.
 

Er konnte sich an die Nacht, in der Sirius damals gestorben war nicht erinnern. Hermione meinte, dass es eine ganz normale Schutzreaktion sei. Doch irgendwann mussten Bruchstücke einfach wieder auftauchen. Und das war vor einer Woche geschehen.
 

Harry lief durch den Westgang. Einige Fünftklässler aus Hufflepuff kamen ihm entgegen, sie lachten und schienen sich über den Unterricht zu unterhalten. Dann plötzlich ertönte ein Satz. Ein einziger Satz, den Harry völlig aus der Bahn warf. Ein blondes Mädchen in der Gruppe klopfte dem Jungen neben sich auf die Schulter und sagte: „Gut gemacht James, ich hätte nicht gedacht, dass wir für unsere Gruppenarbeit bei McGonagall 30 Punkte bekommen.“
 

„Gut gemacht, James...“
 

Genau das hatte Sirius ihm damals im Kampf gegen die Death Eater im Ministerium gesagt. Für Sirius war Harry nie Harry gewesen, sondern einfach James. Sein Freund, der vor 16 Jahren gestorben war.
 

Harry wurde schwindelig, als er sich erinnert hatte. Er hatte es wirklich verdrängt. All die Jahre war Sirius sein einziger Zufluchtspunkt gewesen, selbst nachdem er tot war. Und nun war seine Welt ein weiteres mal leer.
 

Über sich selbst lachend stand Harry auf und verließ die Bibliothek. Es war kurz vor acht Uhr. Wenn ihn jemand jetzt finden würde, bekam er sicher großen ärger. Doch mittlerweile war ihm das auch egal. Mit seinen siebzehn Jahren fand er nichts mehr daran Hogwartspokale zu bekommen und Punkte für das Haus zu sammeln.
 

Er gähnte. Ja, er war müde. Aber das war wirklich kein Wunder. Schon seit Monaten fand er keinen erholsamen Schlaf mehr. Der Grund dafür war Voldemort, der es sich einen Spaß daraus machte mit seinen Fähigkeiten Harry in den Wahnsinn zu treiben. Jede Nacht tote Menschen, Cruciatus-Flüche auf Unschuldige oder auf Death Eater, schreiende und weinende Menschen. Das konnte niemand auf Dauer ertragen, doch Harry stand es seit dessen Wiedergeburt durch. Er kannte zwar die Lösung seiner Probleme, doch das würde heißen, dass er sich buckeln und zu Snape kriechen musste, um wenigstens wieder halbwegs friedliche Träume zu bekommen.
 

Doch mittlerweile gönnte sich Harry die Träume. Er gönnte sich seine Einsamkeit. Er verdiente sie. Sie hatten ja alle recht, und das wusste er insgeheim. Die Menschen in seiner Umgebung sagten ihm, dass er Schuld daran sei, dass Voldemort noch immer lebte und er glaubte es. Er war fest davon überzeugt, dass er mehr als eine Chance gehabt hatte, den Lord zu töten und Frieden in die Zauberwelt und auch in die Reale Welt zu bringen. Aber er war zu feige. Er redete sich jeden Tag ein, dass er den Tod verdiente. Also was hielt ihn davon ab? War er nun schon zu mutlos sich umzubringen. Sich und den anderen Menschen weiteres Leid zu ersparen?
 

Er blieb stehen und atmete ein. Sogar das atmen fiel ihm schwer, wenn er an die Nacht dachte, die Nacht voller Visionen und Träume. Er wollte es nicht mehr, er wollte es einfach nicht mehr. Er konnte nicht mehr. Nicht mehr atmen, stehen, die Maske aufrecht halten, Guten Morgen sagen, lachen, fröhlich sein. Und was brachte es schon? Er war feige und würde den Lord niemals besiegen können.
 

Sein Blick schlich sich aus dem Fenster und erspähte den Verbotenen Wald. Und wenn er sich wirklich umbrachte? Wie würde er es tun. Schlaftabletten? Da müsste er erst welche besorgen. Sich die Pulsadern aufschneiden? Das Messer müsste er aus der Küche klauen und auf den Weg dahin, würde er sicher einem der Lehrer begegnen. Aber was sollte es schon? Was konnte der Lehrer ihm schon anhaben?
 

Er lief weiter, doch seine Augen verfolgten weiter die Fenster. Die Gänge waren so unendlich lang und dunkel, dass man sich richtig fürchten konnte. Dass sich ihre Läufe aller paar Stunden veränderten führte dazu, dass sogar Schüler, die sieben Jahre hier studierten sich immer noch verliefen.
 

Harry schluckte hart. Er war wieder stehen geblieben. Sein Blick blieb diesmal starr auf dem Wasser des Sees gerichtet stehen. Der Mond spiegelte sich weiß darin wider. Es war so schön. Er fuhr sich über das Gesicht und die müden Augen. Sie blinzelten schwer. Eigentlich war die Idee zu ertrinken nicht mal so abwegig. Langsam und Qualvoll. Er würde nur so sterben, wie er bereits lebte. Und anders verdiente er es nicht. Alles andere würde zu schnell gehen und zu schmerzlos.
 

Wie hypnotisiert rannte er durch den Gang. Zum Glück kannte er einige Geheimwege aus dem Kopf und so klopfte er zwischen zwei Statuen die Wand ab, bis er den Schalter gefunden hatte, der einen Durchgang direkt ins Freie freilegte. Der kalte Oktoberwind machte sich bemerkbar. Harry fror. Aber es war ihm egal. Zielgerichtet ging er auf den schwarzen See zu.
 

Seufzend warf er seinen Kopf in den Nacken. Ihm war es schon so oft in den Sinn gekommen sich das Leben zu nehmen, und nun stand er wenige Zentimeter vom eisigen Wasser entfernt. Es gab nichts mehr, was ihn zurückhalten konnte. Ironischerweise wünschte er sich Sirius, der seinetwegen auch hätte schreien können: „James, tue es nicht!“
 

Doch genau der Gedanke führte dazu, dass ihm langsam die Tränen kamen. Er hatte nicht mehr geweint, seit ihm die Erinnerung von Sirius zurückgekehrt war und davor..... davor hatte er Monate nicht geweint. Er hatte es unterdrückt. Bis nun die angestauten Tränen ihren Weg unaufhörlich bahnten.
 

Er beugte sich ein Stück runter, um seine Schuhe zu öffnen. Sauber stellte er sie am Boden ab. Er zog seinen Schulpullover aus und legte ihn neben die Schuhe. Für einen kurzen Moment kam ihm der Gedanke, dass er eher erfrieren würde, anstatt zu ertrinken. Doch beides würde auf das selbe hinauslaufen.
 

Zaghaft machte er seine ersten Schritte auf das Wasser zu. Wie er gedacht hatte. Es war eisig. Mehr als das. Seine Füße waren noch nicht mal ganz bedeckt mit dem Nass und trotzdem stach das Wasser wie tausend Nadeln. Ein weiterer Schritt. Noch einer. Es ging immer weiter vom Ufer ab. Die Tränen versuchte er gar nicht mehr zurückzuhalten. Er war nun bereits bis zur Hüfte im Wasser und mit jedem weiteren Schritt schnappte er hörbar nach Luft. Es war so kalt.
 

Es musste nun schon nach acht sein. Niemand suchte nach ihn. Und um ehrlich zu sein wunderte es ihn auch nicht. Noch ein Schritt.. Das Wasser stand ihm bis zur Brust. Mittlerweile weinte er nicht mehr nur wegen seinem Leben, sondern auch wegen diesem verfluchten kalten Wasser, dass langsam aber sicher immer weiter unter seine Haut kroch. Sein Atem ging schneller. Ihm wurde schwarz vor den Augen, doch er lief mit kleinen Schritten weiter. Das stechen nahm immer mehr zu, bis er glaubte, dass seine Fuße taub waren. Sein Kopf schmerzte.
 

Bald war der Punkt erreicht, an dem sein Körper nicht mehr wollte. Diese schlagartige Kälte war zu fiel für ihn und er driftete langsam in eine Ohnmacht über. Doch bevor er wirklich wegtrat, konnte er das süßliche Wasser schmecken und hatte so die Gewissheit, dass er sein Ziel erreichen würde.
 


 

Severus Snape, Lehrer für Zaubertränke, hatte mal wieder Gangaufsicht. Am liebsten würde er in seinem Kerker sitzen und ein Glas Rotwein trinken, doch die Vorstellung ein paar unvorsichtige Schüler nach 20 Uhr in den Gängen zu finden war auch nicht gerade schlecht. Und der erste schien auch nicht lange auf sich warten zu lassen, denn ein Schatten bog um die nächste Ecke. Flink folgte er der Person, doch sie war verschwunden. Der Gang war leer. Nein, irgendwas war zu hören. Er folgte dem Geräusch und stand vor der Hexenwand. Zwei Hexen-Statuen aus dem 12. Jahrhundert zierten die Steinmauer und einige Zentimeter weiter runter schienen sich die Steine selber zu bauen und ein Loch zu schließen.
 

Snapes Lippen zierten ein gehässiges Lächeln. Jemand hatte also den Durchgang der Hexen gefunden. Er wusste, wohin er führte. Schließlich hatte er in seiner Schulzeit selber viele Geheimgänge entdeckt, doch nie wirklich für sich ausgenutzt.
 

Mit einem seeligen Lächeln tippte er auf den losen Stein in der Wand und der Durchgang öffnete sich ein weiteres mal. Wie eine Fledermaus verschwand er in dem dunklen Durchgang und fand sich nach kurzer Zeit auf den grünen Flächen des Hogwarts Geländes wieder. Suchend ließ er seinen Blick über die Ebene streifen, bis sie am See hängen blieb. Da bewegte sich doch etwas. Aber im Wasser? Um diese Jahreszeit, wo das Wasser einem beinahe so kalt vorkam wie Schnee? Irrsinnig. Trotzdem begann er langsam weiter in Richtung des Gewässers zu gehen. Am Ufer konnte er Kleidung oder etwas ähnliches erkennen. Machte sich hier etwa jemand einem Spaß, indem er mitten in der Nacht schwimmen ging?
 

Der Meister der Zaubertränke beschleunigte seinen Schritt. Seine Augen immer noch auf das Wasser gerichtet, doch er konnte keinen stehenden Körper mehr erkennen. Langsam machte sich Panik in ihm breit. Seine Sinne spielten ihm nie einen Streich. Er hatte von der Ferne aus jemanden gesehen und hier war eindeutig Kleidung und Schuhe.
 

Sein Herz schien stehen zu bleiben, als er weißen Stoff im Wasser sah. Ohne zu überlegen lief er in den See. Er japste nach Luft, als er spürte wie kalt es wirklich war, doch er schwomm weiter. Nun konnte er deutlich einen treibenden Körper erkennen, der schon ziemlich weit vom Ufer abgetrieben war. Snapes' Bekleidung machte es nicht sonderlich einfacher Rettungsschwimmer zu spielen, für einen kurzen Augenblick warf er sich vor, dass er seinen Mantel hätte ausziehen können, doch sofort konzentrierte er sich wieder auf die Person im Wasser. Endlich konnte er den Stoff greifen und den leblosen Körper umdrehen. Sein Herz blieb ein weiteres mal stehen. Potter, im Wasser, Potter, eiskalt, leblos, Potter. Er biss seine Zähne zusammen und packte den Jungen. Es dauerte nicht lange, bis er wieder Erde unter seinen Fußen spüren konnte. Harry legte er flach auf den Boden.
 

„Potter“, zischte er und beugte sich zu ihm runter, um festzustellen, ob er noch atmete.
 

Zum Glück. Er bekam Luft und schien kein Wasser in die Lungen bekommen zu haben. Schlimmer war jedoch seine Hautfarbe. Leichenblass. Er hatte sicher einige Minuten im Wasser gelegen. Snape langte nach dem Pullover, der auf dem Boden lag und wickelte ihn um den Kleineren. Schnaufend nahm er Harry auf die Arme und ging zurück in die Schule.
 

Was sollte er tun? Das beste wäre natürlich gewesen Harry in den Krankenflügel zu schaffen, doch dann würde der Gryffindor, sobald er wach war mit Fragen belästigt werden. Ja, Snape wusste, was Harry vorgehabt hatte. Er hatte sich umbringen wollen. Und er ahnte auch warum. Schließlich waren sich die beiden nicht so unähnlich, wie man beim ersten, und vielleicht auch zweiten, Blick dachte.
 

Flüchtig sah er Harry ins Gesicht. Die Brille saß unwirklich schief und seine zerzausten Haare lagen ihm nass im Gesicht. Er schluckte hart. Nach ein paar Minuten durch das Labyrinth hatte er es endlich geschafft vor seinen Privaten Räumen angekommen zu sein. Er hob seinen Zauberstab und die schwere Holztüre öffnete sich.
 

Ein weiterer Schwenk bewirkte, dass sich das Feuer im Kamin entzündete und das Zimmer wurde langsam heller. Severus legte Harry vorsichtig auf die grüne altertümliche Couch. Zaghaft strich er über Harrys Stirn. Er war eiskalt. Vorsichtig knöpfte er das Hemd von Harry auf und dessen Hose, bis er völlig entkleidet war. Dann schlich er in sein Schlafzimmer und kam mit einer Wollhose und einem übergroßen Pullover wieder, dem er Harry anzog. Eine Decke und ein Wärmzauber hielten Harry warm. Jedenfalls war es ein Versuch. Er wusste, dass Madam Pomfrey nicht mehr gemacht hätte. Ein Stärkungstrank, den er Harry nur scher einflößen konnte war dann aber auch die letzte Möglichkeit ihn wieder auf die Beine zu kriegen. Einige Minuten kniete er noch vor der Couch und beobachtete Harry, der matt in den Kissen lag.
 

Müde wischte er sich über die Stirn. Nun ging er selber in sein Schlafzimmer und zog sich um. Er nahm sich ein Handtuch aus einer der Schubladen und rubbelte sich die Haare trocken. Leise machte er sich zurück in sein Arbeitszimmer. Harry schien zu schlafen, denn er hörte das leise atmen. Zaghaft strich er mit einem neuen Handtuch über die nassen Haare von Harry. Der Gryffindor stöhnte laut auf. Severus ließ das Tuch fallen, als wäre er vom Blitz getroffen worden.
 

Er konnte nichts weiter machen als Harry schlafen zu lassen und zu warten, bis dieser endlich aufwachte. Snape nahm sich ein Buch aus dem Wandregal. „Zaubertränke aus allerlei Wurzeln“. Wenigstens würde ihm bei dieser Lektüre nicht langweilig werden. Da er morgen nicht unterrichten musste, konnte er die ganze Nacht lesen und auf Harry aufpassen.
 

Snape stutzte bei diesem Gedanken. Auf Harry aufpassen. Er konnte nicht glauben, dass er den Goldjungen in seinem Arbeitszimmer liegen und ihn noch dazu gerettet hatte. Ihn aber im Wasser liegen lassen, das konnte nicht einmal Snape. Schließlich ahnte er, was Harry zu diesem Schritt getrieben hatte. Er wusste, wie sich Harry fühlen musste. Alleine. Schuldig.
 

Es gab auch eine Zeit, in der sich Severus so gefühlt hatte. Doch damals hatte niemand ihm geholfen. Es war vielleicht einfach nur Zufall, Schicksal, dass er noch lebt und es nicht noch einmal tat.
 

Geschafft legte er seinen Kopf in den Sessel und seufzte. Abwesend strich er sich über den linken Arm und lächelte finster. Er schlug das erste Kapitel auf und begann zu lesen.
 


 

Harrys Kopf schmerzte. Seine Augenlider waren schwer wie Beton, ebenso wie seine Glieder. Er konnte sie nicht bewegen. Panik kam über ihn. Wenn man tot war, konnte man doch keinen Schmerz empfinden. Ergo: Er war nicht tot. Der Schreck durchfuhr ihn und er richtete sich ruckartig auf, dass er schmerzerfüllt stöhnen musste. Seine Beine fühlten sich tot an, ebenso wie der Rest des Körpers, nur sein Kopf hämmerte. Unablässig, immer härter, stärker, schmerzhafter. Sein Atem ging schnell und jeder Atemzug stach wie Nesseln. Plötzlich hörte er ein Geräusch hinter sich, doch er konnte seinen Rumpf nicht wenden. So wartete er ab, was geschehen würde.
 

Rechts neben sich kam ein Schatten immer näher, bis er neben der Couch stand. Zaghaft schaute er ein Stück höher, um die Person zu erkennen. Seine Augen wurden größer, als er seinen Zaubertranklehrer erkannte, der auf ihn herabsah. Snape hatte einen nicht zu deutenden Blick. Harry sagte nichts, sondern wand seinen Blick ab. Er war am Leben, wegen diesem alten Mann, der sich nun wahrscheinlich für den Großen Retter hielt. Er lebte. Nicht mal der Tot war im gegönnt. Langsam sammelten sich wieder Tränen in Harrys Augen.
 

Dann spürte er, wie neben sich die Couch ein wenig senkte und plötzlich Arme, die ihn umschlangen. Warme Arme, die ihn an einen Körper drückten. Harry wusste, dass es Snape war, doch es war im egal. Er wusste nicht mehr, was er tun sollte. Reflexartig krallte er sich in den Pullover seines Lehrers. Seine Tränen durchnässten den Stoff.
 

Snape räusperte sich. „Ist dir noch kalt?“
 

„Nein, es ist warm“, antworte Harry und wischte sich einzelne Tränen weg.
 

Einige Minuten saßen beide still da. Snape hatte mit einem erneuten Inferno-Zauber das Feuer im Kamin angezündet. So richtig wusste keiner von beiden, was er sagen sollte, bis Harry schließlich die Stille brach.
 

„Warum haben Sie mich aus dem Wasser geholt?“
 

„Es sah so aus, als ob du dort ertrinken würdest. Wie stehe ich denn da, wenn ich Aufsicht habe und in der Zeit ein Schüler stirbt.“
 

„Sie sind gar nicht der Heldentyp dafür, der sich ins Wasser wirft um kleine Schüler zu retten.“
 

„Du bist auch kein Heldentyp.“
 

„Das stimmt...“
 

„Warum wolltest du es tun?“
 

„Warum interessiert Sie das? Sie scheinen doch sonst nie Interesse an ihren Schülern zu haben, vor allem nicht ihre Probleme.“
 

„Mich interessieren auch nicht die Probleme von anderen... jedenfalls nicht von allen und du solltest dir eines sicher sein, ich frage nicht bei jedem nach.“
 

Snape stand auf. Er ging zu seinem Sessel und nahm das Buch hoch, welches er hatte fallen lassen, als er merkte, dass Harry aufwachte. Schwer atmend stellte er es zurück ins Regal.
 

„Ich wollte nicht mehr leben.“
 

„Das ist mir klar. Potter, ich habe dich nicht in den Krankenflügel gebracht, weil ich wusste, dass du dort auf den Alten triffst, der dich löchert wie ein Käse. Vor allem, weil du Dumbledore nicht vertraust und von jemanden gezwungen werden, den man nicht vertraut ist das schlimmste, was einem passieren kann.“
 

„Und Sie denken nun, dass ich Ihnen mehr vertraue als jemand anderen?“
 

„Nein, warum solltest du auch? Ich will nur, dass du weißt, dass mir bewusst ist, wie es dir geht.“
 

„Sie wissen gar nichts!“, schrie Harry.
 

„Meinst du?“, hauchte Snape und trat wieder an die Couch.
 

Langsam begann er seinen linken Ärmel hochzukrämpeln und entblößte eine lange Narbe. Harry starrte gebannt auf die weiße Wölbung. Wollte Snape ihm damit etwa sagen, dass er sich SO mal das Leben nehmen wollte? Harry hob seinen Arm. Seine Finger zitterten. Wie in Zeitlupe strich er über die Narbe. Snape erschauderte, als er die Finger auf seiner Haut spürte. Es war Ewigkeiten her, dass er erlaubt hatte, dass ihn ein Mensch berühren durfte.
 

„Warum wollten Sie?“, fragte Harry und ließ von dessen Arm ab.
 

„Ich war mal Schüler wie du. Ich hatte keine Freunde. Nie“, gestand Severus und setzte sich wieder neben Harry, der ihm ein wenig Platz machte. „Ich würde mein ganzes Leben lang nur ignoriert oder gehänselt. Das einzige, was ich hatte waren meine Bücher. Jahrelang. Irgendwann wurde es mir zu viel. Ich konnte nicht mehr. Also habe ich es getan.“
 

„Warum leben Sie noch?“
 

„Man hat mich gefunden. Es war kein Freund, kein Lehrer, einfach nur ein Schüler, dessen Namen ich nicht mal mehr weiß. Er sagte es dem damaligen Hauslehrer von Slytherin, weil er Angst hatte Ärger zu bekommen. Nachdem ich wieder aufgewacht bin, wollte ich es nicht glauben. Ich habe die Welt verflucht. Der Direktor hat versucht aus mir rauszubekommen warum ich es tun wollte. Ich habe es ihm gesagt. Er nickte und das war's. Niemand hatte es verstanden und daher glaube ich zu verstehen, wie es dir geht.“
 

Snape stützte seinen Kopf in dessen Hände. Es war das erste mal, dass er jemanden von seiner Vergangenheit erzählt hatte. Und dann war es noch Harry Potter gewesen. Doch er wusste keinen anderen Trost. Aber... was für ein Trost sollte es dem Jungen geben? Dass er so werden würde wie er? Verbittert, unzufrieden.
 

„Was hält Sie am Leben?“, fragte Harry und machte seinem Professor ein wenig mehr Platz.
 

„Vielleicht die Hoffnung, dass ich es irgendwann mal jemanden erzählen kann, dem es hilft. Wobei ich im Moment nicht wirklich weiß, ob es dir geholfen oder die ganze Situation nicht verschlimmert hat.“
 

„Professor Snape...“, schluchzte Harry und legte eine Hand zaghaft auf den Arm des Älteren. „Sie haben mir geholfen.“
 

Snape schluckte hart und sah Harry an. Der Junge sah so zerbrechlich aus. So unglaublich hilflos. Und dann sagte er gerade IHM, dass ein alter Mann ihm geholfen hatte.
 

„Darf ich die Nacht bei Ihnen bleiben?“
 

„Bei DIR... frag, ob du bei MIR bleiben darfst.“
 

„Darf ich die Nacht bei dir bleiben?“
 

„Wenn du das möchtest, dann ja.“
 

Harry lehnte sich erleichtert zurück. Er war seit langem nicht mehr so erleichtert gewesen. Seine Hand strich unbewusst über den Arm von Snape, was diesem ein wohliges Kribbeln bereitete. Zaghaft bewegte Snape seine freie Hand und legte sie auf die von Harry. Er drückte leicht zu.
 

„Was hast du gedacht, als du merktest, dass ich es bin, der im Wasser liegt?“
 

„Ich war geschockt“, sagte Snape zögernd. „Und dann habe ich Angst bekommen. Ich konnte mir den Unterricht ohne dich nicht vorstellen. Ich hätte dann ja niemanden mehr, dem ich Punkte abziehen kann.“
 

„Ist es nur das?“, fragte Harry zögernd.
 

„Um ehrlich zu sein: Nein. Als ich dich gesehen habe, halbtot, habe ich Angst gehabt. Angst um dich.“
 

Harry lächelte müde. Er wusste, dass Severus die Wahrheit sprach. Noch nie war Harry von etwas so überzeugt. Harrys Hand zitterte, doch Severus' versuchte sie durch streicheln zu beruhigen.
 

„Ich bin müde“, sagte Harry leise.
 

„Ich auch. Es muss nach 2 Uhr sein. Wenn du willst kannst du gerne in meinem Bett schlafen, ich schlafe dann hier auf der Couch.“
 

„Nein.“
 

„Äh, wie nein?“, fragte Snape unsicher
 

„Es ist dein Bett, meinst du denn nicht, dass du auch darin schlafen solltest?“
 

„Ich? Und du? Ähm... ich weiß nicht, ob wir das tun sollten.“
 

„Was soll schon groß passieren? Ich beiße nicht und die saugst mir sicher kein Blut aus“, lachte Harry, doch schaute gleich darauf ernst. „Ich will nicht alleine schlafen, Severus.“
 

Der Ältere schluckte hörbar, doch nickte. Mit einem kurzen Blick zeigte er Harry die Richtung. Zaghaft streckte Snape seine Hand aus und Harry ergriff sie. Zitternd gingen beide in Snapes Schlafgemach. Da es dunkel war, und nur das Kaminlicht aus dem Wohnzimmer alles erleuchtete, konnte Harry das Bett lediglich schemenhaft sehen. Doch Snape zog ihn in die Richtung und er konnte sich gefahrlos in das weiche Polster legen. Weich... nicht nur das Bettzeug fühlte sich weich an, sondern auch der Pullover, den er an hatte. Harry realisierte erst jetzt, dass die Sachen, welche er trug, von Severus waren. Sie rochen auch danach. Nach herben Kräutern.
 

Nun legte sich auch Severus ins Bett. Ein Stück weiter von Harry weg. Zum Glück war es dunkel, sonst hätte Harry am Ende noch mitbekommen, dass er verlegen war. Harry tastete neben sich nach dem Körper von Snape. Schnell fand er den Stoff und den dazugehörigen Körper.
 

„Kann ich mich zu dir...?“, stockte Harry und Snape spürte merklich, wie dessen Hand zitterte.
 

„Ja, komm her“, sagte Severus ruhig.
 

Zögernd rutschte Harry zu Snape. Dieser schlang seinen linken Arm um den Körper und Harry konnte seinen Kopf auf den großen Oberkörper legen.
 

„Du hast mir wirklich geholfen. Ich wüsste nicht, wie ich alleine mit allem klar kommen sollte.“
 

„Schlaf lieber und versuch nicht daran zu denken“, flüsterte Severus und strich ihm liebevoll über den schmalen Rücken.





Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von elisa, 01.11.2011 um 22:16 (UTC):
Wahnsinn... eine wunderschöne aber so traurige geschichte... einfach nur ergreifend

Kommentar von Ni-chan, 04.05.2011 um 21:35 (UTC):
Wow... ich habe einen Klos im Hals... Das is wirklich ergreifend... wunderbar geschrieben



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