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Von der Vergangenheit und der Traurigkeit

Severus hatte nicht schlecht gestaunt, als ihm von Viktor Krumm sein neuer Schüler vorgestellt wurde. Aber wenigstens war er nicht der einzige, der seinen Gegenüber anstarrte, als wäre er der Teufel persönlich – der junge Potter bedachte ihn mit ziemlich demselben Blick.

„Das ist nicht dein Ernst, Viktor!“

stellte der Tränkmeister tonlos fest und fühlte sich, als würde hier etwas ziemlich falsch laufen – und zwar absolut falsch!

Viktor machte zu diesem Zeitpunkt ein sehr irritiertes Gesicht.

„Und ich dachte, ihr würdet euch freuen, einander wieder zu sehen, besonders jetzt, wo du doch verstoßen wurdest Harry, und du dich vom Orden abgewandt hast, Severus.“

Stellte dieser jetzt verblüfft und strinrunzelnd fest, während er verstört von einem zum anderen blickte – wobei schlecht zu sagen war, wer von beiden entgeisterter schaute.

„Normalerweise schon, aber doch nicht IHN!“

knurrte Snape aufgebracht, während er mit seinem Zeigefinger wild und energisch vor Harrys Nase herumfuchtelte.

„Vergessen Sie’s, als ob ich so verzweifelt wäre, dass ich freiwillig bei IHNEN Unterricht nehmen würde… pah!“

gab Harry giftig zurück und versuchte Snape in Grund und Boden zu starren. Damit hatte er jedoch nur mäßigen erfolg, da Viktor sich zwischen die beiden Feinde stellte und beide recht unwirsch ankeifte, was ihnen für einen kurzen Moment die Sprache verschlug:

„Also, Severus“, wandte er sich an den Tränkmeister „meines Wissens nach kämpft niemand gerne freiwillig, also sollten wir für JEDE Hilfe dankbar sein, die wir kriegen können, wenn ich mich recht entsinne, zumindest hast DU mir das so beigebracht, und was dich betrifft Harry“, bekam auch Harry sein Fett weg „das ist der fähigste Lehrer den ich je getroffen habe und ich finde es absolut unpassend für erwachsene Menschen sich derart unmöglich zu benehmen!“

Beide – sowohl Snape, als auch Potter – waren es nicht gerade gewohnt, dass jemand, den sie zu ihren Freunden zählten, sie derart anschnauzte und zurechtwies. Deshalb schwiegen sie daraufhin beide verblüfft, anstatt sich weiterhin anzukeifen.

„Gut, da ihr mir nicht widersprecht, gehe ich jetzt einfach davon aus, dass ihr mir dabei zustimmt!“ beschloss Viktor daraufhin kurzerhand und fügte noch hinzu:

„Dann lass ich euch jetzt mal allein, der Unterricht beginnt so oder so in wenigen Minuten. Ich wünsche euch beiden dann noch viel Spaß und hoffe doch, dass ihr euch zusammenreißen werdet, nicht wahr?“

schwupps verschwand er auch schon im Gang und ließ die beiden Streithähne allein.

Zum ersten Mal waren sich Snape und Potter bei etwas wirklich einig und zwar in der Tatsache, dass Viktor Krumm ganz offensichtlich nicht mehr alle Tassen im Schrank haben konnte, wenn er glaubte, sie beide würden miteinander auskommen. Sie konnten zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen, dass sich dieses Gemeinschaftsgefühl von nun an so oft einstellen würde, dass es sie schließlich irgendwann zusammenführen würde.

Jetzt schauten sie dem Bulgaren auf jeden Fall beide völlig geplättet nach, bevor sie synchron den Kopf schüttelten, nur um sich anschließend gemeinsam in das Klassenzimmer zu begeben – wobei der nächste Streit natürlich schon darum entbrannte, wer vor wem in den Raum gehen durfte.

„Und ihr habt es wirklich geschafft zusammen Unterricht zu machen? Auf freiwilliger Basis?“

Dumbledore konnte es nicht fassen. Da hatte er seinen ehemaligen Tränkemeister früher wenigstens einmal pro Woche regelrecht anbetteln müssen, ihrer aller Schützling nicht den Hals umzudrehen und hier unterrichtete er ihn sogar FREIWILLIG.

Vielleicht war das aber auch die gerechte Strafe dafür, dass er ihn einfach nie zum Lehrer für die Verteidigung gegen die dunklen Künste gemacht hatte.

„Na ja, es war nicht besonders einfach, wir haben uns jede Stunde lang wenigstens dreißig Minuten lang angekeift, aber erstaunlicherweise hatte Harry von Anfang an ein Talent für die dunklen Künste, das ich einfach fördern musste!“

„Und wenn du einen nicht gerade auf dem Kieker hast, gehörst du zu den besten Lehrern, die ich kenne, Sev.“

Schmunzelte Harry, als Severus ihn wegen seines verkürzten Namens - und der Unterstellung er wäre nicht IMMER ein klasse Lehrer - böse anschaute.

„Und wie lange ging das so?“

„Etwa drei Wochen, eine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass wir jeden Tag mehrere Stunden zusammen Unterricht hatten!“

antwortete Severus und griff scheinbar unterbewusst nach Harrys Arm, der sich gemütlich an ihn lehnte.

„Und wie ging es dann weiter? Was hat euch zusammen gebracht?“

fragte Dumbledore neugierig weiter und war ungeheuer gespannt.

Eines Abends rauschte Severus Snape müde, schlecht gelaunt und ausgelaugt durch die unterirdischen Gänge ihres Versteckes, um sich ein Glas Milch zu holen. Er hatte mal wieder bis spät in die Nacht an einigen Tränken gearbeitet, die im Kampf gegen Voldemort benötigt wurden und war schon längst über den Punkt hinaus, an dem er müde gewesen war. Jetzt war es zwar tiefste Nacht, aber er wach hellwach und putzmunter – was er gelinde gesagt zum Kotzen fand, wenn er daran dachte, dass er am nächsten Tag – Berichtigung an DIESEM Tag – um fünf Uhr morgens schon wieder raus musste, um irgendwelche Bälger zu unterrichten.

Deshalb wollte er sich jetzt ein warmes Glas Milch mit Honig gönnen, was ihm sonst immer half einzuschlafen. Am Vorratsschrank angekommen traf ihn fast der Schlag. Die Milch war schon wieder alle – Snape wusste, dass nur einer für solch eine Unverfrorenheit in Frage kam: POTTER!

Sofort machte er auf dem Absatz kehrt und hastete den Flur in eine andere Richtung entlang und blieb vor der Unterkunft dieses Möchtegernhelden stehen.

Er machte sich gar nicht erst die Mühe vielleicht anzuklopfen oder sich bemerkbar zu machen, dafür war er so oder so viel zu wütend.

Stattdessen riss er die Tür einfach auf, so dass sie fast aus den Angeln gehebelt wurde, und rauschte wutentbrannt in das Zimmer:

„Potter, das ist ganz sicher das letzte Mal, dass Sie mir die ganze Milch weggesoffen haben…“

Mitten im Satz, direkt vor seiner Drohung, stoppte er plötzlich als er den Zustand des Jungen bemerkte. Dieser hatte auf seiner Fensterbank des Zimmers gesessen und nach draußen gestarrt, während ihm unablässig Tränen die Wangen herabkullerten.

Der junge Potter sagte nichts dazu, sondern starrte Snape einfach nur traurig und wortlos an, bis er sein Gesicht einfach wieder abwandte, um sich erneut dem Fenster zu widmen. Lautlose Schluchzer schüttelten den Jungen und er machte einen wirklich erbärmlichen Eindruck.

Snape wusste nicht, wie er darauf reagieren sollte. Er mochte es nicht, wenn andere weinten und schon gar nicht, wenn ihn das irgendwie berührte. Normalerweise hielt er es für eine Schwäche von Leuten, die in ihrem eigenen Selbstmitleid ertranken, deshalb verabscheute er es. Aber das hier… war irgendwie anders. Harry beklagte nicht sein eigenes Leid oder sein Schicksal.

Er war einfach nur traurig und fühlte sich mutterseelenallein. Es war eher eine Art der Feststellung als Selbstmitleid.

Ohne wirklich zu verstehen warum, drehte Snape sich einfach um und ging wortlos, um Harry in seiner Traurigkeit nicht weiter zu stören, denn den Grund für sein unangemeldetes Eindringen hatte er schon längst vergessen.

Dieses Bild hatte etwas in ihm berührt, etwas, was er nicht erwartete hatte, bei einem anderen zu sehen. Er kannte die Traurigkeit sehr gut, weil sie ihn selbst oftmals heimsuchte.

Am nächsten Tag tat er so, als wäre in der Nacht zuvor nichts passiert, obwohl er die ganze restliche Zeit kein Auge zugemacht hatte. Dementsprechend mies gelaunt war er auch, was die beiden schon gleich in ihren nächsten Streit ausbrechen ließ. Dabei war nicht nur der übermüdete Künstelehrer unfair, sondern auch Harry war recht stinkig und machte sich erst einmal gehörig Luft.

Nachdem sich die beiden sogar für ihre Verhältnisse lange gezofft hatten, die anderen Schüler begannen schon sich zu langweilen und schliefen mit den Köpfen seelenruhig auf den Tischen, beendeten sie in plötzlichem Einvernehmen ihren Streit und wandten sich dem Unterricht zu, als wäre es das Normalste der Welt.

In beiden keimte dabei die sachte Vermutung auf, dass sie einander bloß hatten zeigen wollen, wie sehr sie sich noch verachteten und das alles so war wie immer. Nun, es war jedoch nicht mehr wie immer.

In dieser Nacht versuchte Snape schon um 8 Uhr ins Bett zu gehen, hatte damit aber nur mäßigen Erfolg, denn nachdem er sich an die hundert Mal unruhig in seinem Bett hin und hergewälzt hatte, gab er es schließlich auf und erhob sich von seinem völlig durchwühlten Nachtlager.

Er zog sich wieder an und versuchte sich mit aller Macht einzureden, dass er AUF KEINEN FALL nachsehen wolle, ob Potter noch immer so traurig war sondern dass er BLOß ENDLICH SEIN GLAS MILCH WOLLE. Dass er dabei extra einen großen Umweg lief, um an Potters Tür vorbeizukommen lag natürlich daran, dass in dem anderen Gang öhm… jemand war, dem er aus dem Weg gehen wollte. Öhm… ja, da war ja dieser nervige neue Schüler, der ihn ständig mit irgendwelchem Kram löcherte, stimmt ja… Und dass er besonders langsam und lauschend an der Tür vorbeischlurfte, anstatt wie gewöhnlich zu rauschen lag natürlich daran, dass… äh… er heute so wachsam war. Wollte nicht der dunkle Lord angreifen? Äh…

Ach du meine Güte, was war der Raum denn so still? War etwas passiert? Ging es dem Exgoldjungen nicht so gut? Oder war er doch wieder stumm am heulen… also ehrlich. Das senkte doch die Stimmung im ganzen Widerstand total, wenn er so elend da rumflennte, Snape musste da mal ein ernstes Wörtchen mit ihm reden. Also so ging das wirklich nicht weiter!

Er riss wie am Abend zuvor die Tür auf – um Potter gehörig ins Gewissen zu reden, natürlich! – und hielt auch diesmal mitten in der Bewegung inne. Auch diesmal weinte Harry wieder stumm, so wie er es seit dem Ferienanfang nach dem fünften Schuljahr in jeder Nacht getan hatte. Bisher hatte das jedoch niemanden interessiert und niemand hatte es bemerkt. Snape war der erste und Harry hatte sicherlich nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet er, noch einmal wieder kommen würde. Doch jetzt stand er schon in der zweiten Nacht da und sah ihn Weinen.

Und auch diesmal fühlte Harry sich außerstande aufzuhören oder ihn hinauszuwerfen, aber auch Snape schien etwas anderes vor gehabt zu haben, als ihn einfach nur stumm anzustarren.

Dennoch tat er eine ganze Weile nichts anderes und Harry hatte nicht den blassesten Schimmer, was das sollte. Wenn der Kerl ihn wenigstens verspotten würde, oder beschimpfen oder verhexen oder sonst was! Aber dieses stumme Starren machte ihn langsam verrückt. Dennoch (oder trotz allem?) hatte Harry nicht das Bedürfnis den verhassten Lehrer vor die Tür zu setzen und raus zu schmeißen. Er solle doch bitte nur einfach irgendetwas tun und bei Merlin, das tat er dann auch endlich. Aber nichts von dem, was Harry erwartet hatte, er kam ganz nah an Harry heran, stellte sich dicht vor ihn und hob seine rechte Hand.

Harry schaute ziemlich überrascht und konnte es nicht fassen, als diese schwarzen Pupillen ihn ansahen, als würden sie ihn verstehen. So hatte ihn noch nie jemand angeschaut. Die Hand legte sich schließlich irgendwann auf seine Wange, wobei Harry wie in Trance feststellte, dass die Haut gar nicht kalt war, wie er immer vermutet hatte. Mit drei kurzen Bewegungen, in denen er über Harrys nasse Wangen strich, wischte er die Tränen fort, machte kehrt und verließ den Raum ohne ein weiteres Wort.

Als Snape am nächsten morgen nach bloß einer halben Stunde unruhigen Schlafes erwachte glaubte er, er hätte völlig den Verstand verloren. Was hatte er da bloß wieder angestellt?

Potter würde ihn jetzt bestimmt für einen totalen Narren halten und einen absoluten Schwächling und was nicht alles. Andererseits hatte er sich auch nicht gewehrt, als er die Tränen fort strich…Apropos WARUM HATTE ER DAS NOCH GLEICH GEMACHT? Ach ja, er war ja gerade dabei, völlig verrückt zu werden, das war es ja…

Der Unterricht endete in einem Desaster. Die beiden Streithähne brüllten sich den kompletten Unterricht lang an, während die anderen Schüler schon nach der ersten halben Stunde ihre Sachen zusammen packten und fluchtartig den Raum verließen, da sie damit rechneten, dass es gleich ein Zaubererduell geben würde. Nun, das Duell blieb zwar aus, aber die beiden waren an diesem Nachmittag zweifelsohne so fertig gewesen, als hätten sie sich stundenlang duelliert. Beide hatten an dem Abendessen keine Stimme mehr und nicht nur Viktor machte sich um die zwei Sorgen.

Der dritte Abend nahte und Snape schwor sich, nach Einbruch der Dunkelheit keinen Fuß mehr vor die Tür zu setzen. Er hielt diesen Vorsatz fast ganze dreißig Minuten lang aus, dann ging er auf seinen abendlichen Milchweg. Potter hatte sich ja jetzt bestimmt zusammengerissen, nachdem er gestern… Jedenfalls hatte er sich das bestimmt zu Herzen genommen und weinte jetzt nicht mehr. Bestimmt.

Also könnte eine kleine Kontrolle ja sicherlich nicht schaden, nur um zu sehen, dass Potter sich endlich gefangen hatte…

Nun, er hatte nicht. Zwar hatte Harry an diesem Abend tatsächlich schon mit einem Besuch gerechnet – oder darauf gehofft? – aber das hatte seine tiefe Traurigkeit keineswegs zurückgedrängt. Zu lange lebte er nun mit dem Schmerz, zu oft hatte er sich ihm in den Nächten ergeben.

Diesmal sparte Snape sich das ewiglange Starren. Stattdessen ging er sofort zu Harry, dessen Herz plötzlich wild und laut pochte – was er sich beim besten willen einfach nicht erklären konnte. Das hier war so unwirklich, so unreal, dass er davon überzeugt war, er würde es sich wirklich nur einbilden. Aber ach, die Hand war so sanft, die Haut so weich, die Berührung so geborgen.

Snape schaute ihn noch immer mit diesem undefinierbaren Blick an, so als wolle er sagen, dass er nicht gehen würde, bevor es Harry besser ging. Diesen Blick kannte Harry nicht nur nicht von dem Tränkemeister – er hatte ihn auch bei sonst noch niemandem gesehen. Er sprach von Verständnis und von Schmerz, den er auch kannte. So laut ihre Stimmen im Klassenzimmer waren, so nichtig die Beleidigungen, die sie sich dort an den Kopf waren, so überflüssig waren hier die Worte. Es schien, als könnten Worte alles zerstören.

Snape strich mit einer endlos langsamen Bewegung eine von Harrys Strähnen zur Seite, dann zögerte er kurz, so als könne er seine Gedanken selbst kaum glauben, dann öffnete er seine Arme und bot sie zu seinem eigenen Erstaunen Harry an. Auch der zögerte einen Augenblick lang, dann nahm er das Angebot an und umarmte den Tränkemeister, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.

Die Tränen flossen erneut, aber bei weitem nicht so lange wie es sonst der Fall war. Als Harry sich schon nach kurzer Zeit besser fühlte, löste er sich etwas von Severus und wisch verlegen dessen Blick aus.

Bevor Snape das Zimmer verließ, schenkte er Harry zwar noch ein angedeutetes Lächeln (er verzog seine Mundwinkel von ganz unten zu einer Linie, was ungefähr „ich lächle jetzt gerade, siehst du?“ bei ihm heißt) doch Harrys Röte im Gesicht verhinderten, dass er es wirklich wahrnahm, außerdem versetzte Severus so schnelles Verschwinden dem jungen Mann einen Stich, den er nicht begreifen konnte.

Das große Geschrei am nächsten Tag fiel aus, was schlicht und ergreifend daran lag, dass beide ihre Stimmen noch nicht wieder hatten. Sie waren noch immer völlig heiser und bekamen keinen einzigen Ton heraus. Deshalb verlegten sie ihren Streit auf Kreidekommunikation. Sie verbrauchten für ihre Diskussion ein komplettes Kreidepäckchen und den ganzen Tag lang einen Hauselfen, der immer wieder die Tafel auswischen musste.

Die anderen Schüler hatten schon bei der ersten Beleidigung am Morgen an der Tafel das Klassenzimmer sich ausgelassen und fröhlich unterhaltend verlassen und machten sich auf den Weg zu interessanteren Dingen. Das blieb diesmal nicht unbemerkt, so kam es, dass am ende des Unterrichtstages Viktor krumm in der Tür stand, mit verschränkten Armen und einem bösen Blick, der dem von Snape fast in nichts nachstand.

Die beiden Streithähne fühlten sich ziemlich ertappt und es war sogar Snape, der mit seiner winzigen Handschrift das kümmerliche „Entschuldige“ an die Tafel schrieb.

„Wenn ihr beiden euch nicht endlich benehmt, dann fliegt ihr beide hier heraus. Ihr bringt nur Unordnung in das System, verdammt noch mal! Man sollte wirklich meine, dass zwei Erwachsene in der Lage sein müssten, den Ernst der Lage zu erkennen. Wenn die Schüler hier nicht unterrichtet werden und beim nächsten Überfall Todessern gegenüber stehen, dann sind sie ihnen vollkommen ausgeliefert! Wollt ihr das nicht verstehen? Bei allen großen Zauberern und Rennbesenherstellern, jetzt reißt euch endlich zusammen und klärt, was auch immer zwischen euch steht!“

Viktor hätte auch auf keine Antwort mehr gewartet, wenn die beiden hätten sprechen können. Dafür war er viel zu wütend, deshalb drehte er sich einfach nur um und hastete schnellen Schrittes den gang hinunter um ein paar runden auf seinem Besen zu drehen, bevor ihm endgültig der Kragen platzen konnte – sie brauchten jede Hilfe, auch wenn die beiden sich noch so unmöglich benahmen!

Harry und Snape, die ziemlich verlegen von dem Anpfiff durch Viktor in dem Klassenraum standen und dem Blick des anderen auswischen, verließen schließlich nacheinander bedrückt den Raum und verkrochen sich in ihren Zimmern.

Sie verschmähten beide das Abendessen, während sie beide in Grübeleien versanken und ignorierten ihre knurrenden Mägen.

Harry hatte zum ersten Mal seit dem Beginn seiner Traurigkeit nicht das Gefühl, weinen zu müssen. Zumindest glaubte er das. Er versuchte sich fest einzureden, dass er Viktors „Bitte“ heute nachkommen würde und mit Snape reden würde. Das konnte er inzwischen wieder, da seine Stimme langsam zurückkehrte, auch wenn sie noch immer leise und kratzig war. Darüber wollte er reden, was da mit ihnen in den Nächten passiert und darüber, was das alles änderte, darüber, warum er es so hasste, sich mit ihm zu streiten, er aber einfach nichts dagegen tun konnte.

Harry bezog seine Stellung am Fenster und wartete mit angezogenen Knien auf dem Fensterbrett kauernd auf seinen Besucher.

Doch Snape kam nicht. Es wurde immer später, schließlich wurde es 4 Uhr morgens und Harry schaffte es nur noch mit Mühe und Not wach zu bleiben. In ihm wuchs die Enttäuschung darüber, dass er sich das Band zwischen ihnen womöglich nur eingebildet hatte, aber auch die Wut wuchs darüber, dass sein ach so starker Tränkelehrer wohl gerade kniff.

Letztendlich wurde die Wut über den Mann, der ihn stets so schikaniert hatte immer größer und bevor er ganz einschlafen konnte stand er schnell auf, holte noch einmal tief Luft und stürmte aus seinem Zimmer um dem Kerl endlich mal die Meinung darüber zu sagen, was er WIRKLICH von ihm hielt. Er riss die Tür auf, und rannte gegen eine Mauer aus dunklem Soff.

„Uff!“

kam es gleichzeitig von zwei Personen, die sich schließlich am Boden wiederfanden. Harry staunte nicht schlecht darüber, dass Snape anscheinend doch noch zu ihm kommen wollte, aber immerhin besser spät als nie!

Fast augenblicklich spürte er wieder Tränen auf seinen Wangen, die er einfach nicht aufhalten konnte.

„Du bist verdammt spät!“

schluchzte er leise, als er sich heulend an die Brust des älteren klammerte, der nicht weniger überrascht über diesen Anfall war.

Severus war der Meinung gewesen, dass Harry ihn vielleicht gar nicht sehen wollte, denn das musste doch der Grund sein, warum sie sich immer stritten, oder? Zumindest war das die einzige logische Erklärung, die er hatte finden können. Deshalb hatte er es bis knapp vor zwei Stunden erfolgreich unterdrücken können zu ihm zu gehen. Doch dann hatte er es einfach nicht mehr ausgehalten, hatte sich doch wieder in seine üblichen Klamotten geworfen und stand seit viertel nach zwei unschlüssig wie ein dummer Schuljunge vor der Tür ohne sich zu trauen, hereinzugehen.

Jetzt fühlte er sich wie ein Narr, weil ihm klar wurde, dass Harry wohl auf dem Weg zu ihm gewesen sein musste, als er ihn hier über seinen eigenen Haufen gerannt hatte. Denn der Junge hatte so einen gewissen Trotz in den funkelnden Augen gehabt, den er stets nur dann an den Tag legte, wenn es um seinen Tränkelehrer ging.

Fast, aber wirklich nur fast hätte ihn diese Erkenntnis grinsen lassen vor Stolz, dass nur er solch eine Reaktion in dem Jungen bewirken konnte, doch er beherrschte sich noch rechtzeitig und beschränkte sich darauf, die Umarmung des haltlos Schluchzenden zu erwidern.

Nach einigen Minuten auf dem zugigen Gang wurde es dem Tränkemeister dann aber doch zu bunt – immerhin hätte sie jederzeit jemand in dieser seltsamen Situation hier finden können – deshalb richtete er sich ächzend auf, dass seine malträtierten Knochen knackten und zog Harry mit sich auf die Beine. Dann ergriff er dessen Handgelenk, nachdem er ihn etwas von sich geschoben hatte und zog diesen hinter sich her in dessen Räume.

Dort drückte er ihn aufs Bett ins Sitzen und nahm die alte Haltung wieder ein. Er umarmte Harry so lange, bis dieser sich endlich wieder beruhigte, obwohl es diesmal ungleich länger dauerte, als je zuvor, auch wenn Snape jetzt noch nicht verstand, warum.

Schließlich hob Snape seine Hand und strich, wie in den Nächten zuvor, die Tränen von Harry fort. Er zögerte die Winzigkeit eines Augenblickes, bevor er sich aufrichtete und abwandte, bereit zu gehen, da seine Aufgabe jetzt wohl wieder erfüllt war.

Harrys dünne Stimme ließ ihn zusammen zucken, als sie an sein Ohr drang:

„Bitte geh noch nicht, Severus!“

Snape drehte sich um und fühlte sich sprachlos. Hatte dieser Bengel gerade wirklich seinen Vornamen benutzt? Ich meine, dass er ihn getröstet hatte war eine Sache – er hatte sich irgendwie auf eine groteske Weise verpflichtet gefühlt, aber musste er danach gleich so vertraut werden? Das war ja wohl der Gipfel aller Unverfrorenheiten und Snape wollte gerade zu einer Standpauke ansetzen, als Harry aufstand, auf ihn zutrat und durchdringend anblickte.

„Bitte… bitte halt mich jetzt nicht für verrückt, denn ich weiß auch nicht warum, aber…“

Offenbar konnte der junge Mann es nicht aussprechen, deshalb beschloss er Taten sprechen zu lassen.

Unsicher blinzelnd stellte er sich auf die Zehenspitzen, schaute nervös in die schwarzen, ziemlich verwirrt dreinblickenden Onyxe und küsste den Mann einfach auf die schmalen, malerischen Lippen.

Snape erwiderte den Kuss nicht. Er unterbrach ihn allerdings auch nicht. Genau genommen atmete er nicht einmal. Dafür dachte er in diesem Moment viel zu viel auf einmal. Die widersprüchlichsten Gedanken schwirrten in diesen wenigen Sekunden in seinem Kopf durcheinander und versuchten sich gegenseitig davon zu überzeugen dass SIE diejenigen waren, die jetzt ausgesprochen werden sollten, um diesen Unsinn zu beenden. Bei Salazar, immerhin war dass hier Harry Potter und er Severus Snape! Hallo? Hatte das Leben denn wirklich keine Gnade mit ihm?

Doch was Snape aussprach, war etwas ganz anderes, als das, was er eigentlich hatte sagen wollen. Deshalb überraschten ihn sein eigenen Worte ganz schön, auch wenn sie jetzt wohl nicht mehr zurück zu nehmen waren, und er damit und mit den Konsequenzen leben musste:

„Ich will nicht, dass ich bloß ein Trostpflaster für dich bin, Harry. Denn so fühle ich mich jetzt!“

„BLOß?“, „TROSTPFLASTER?“, „HARRY“, „FÜHLE“ – was hatte sein Hirn denn da für einen gequirlten Mist hervorgebracht? Das waren sicherlich 4 Worte, die er am allerwenigsten in SO EINER Situation hatte von sich geben wollen. Dennoch spürte er ganz tief in seinem Innern, dass es die richtigen Worte waren, nicht nur für Harry, sondern auch für sich – selbst wenn er es sich nicht gern eingestand.

Auf Harrys Wangen waren nervöse rote Flecken erschienen, als er verblüfft über diese Antwort nachdachte. Dann fasste er einen Entschluss und machte ein Angebot:

„Gut, ich will nicht, dass du dich so fühlst. Wie wäre es dann, wenn du heute Nacht einfach hier bleibst und wir reden einfach bloß, wie wir es schon vor langer Zeit hätten tun sollen. Und wenn dann morgen Abend die Traurigkeit nicht wieder kommt, glaubst du mir dann, dass ich wirklich schon lange für dich empfinde?“

Während Severus Hirn dieses Angebot zu verarbeiten versuchte, nickte sein Körper schon, und sein Kopf beschloss just in diesem Augenblick sich einfach mal auf das Urteil des Körpers zu verlassen – schlimmer konnte es ja auch nicht werden.

 






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